Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland e. V.

„ums Leben gebracht“

Unter dieser Überschrift stand der Gedenkgottesdienst an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2018 in der St.-Michael Kirche Leer, der von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Leer durchgeführt wurde.

In der Begrüßung wurde darauf hingewiesen, dass bereits ganz am Anfang des Genesisbuches deutlich wird, dass die Welt fürs Leben gemacht ist. Menschen im Nationalsozialismus haben jedoch auch in Leer und der Region mit ihrer gnadenlosen Weltanschauung andere Menschen stigmatisiert, verfolgt, psychisch und letztlich körperlich ums Leben gebracht.

Es ist dem Vorsitzenden der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland e. V., Wolfgang Kellner, mit seiner 2017 herausgebrachten Studie „Verfolgung und Verstrickung“ zu verdanken, dass neben dem Schicksal jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger auch das Unheil der z. B. so genannten „Arbeitsscheuen“ oder anderes „unwertes Leben“  einem breiten Publikum zugänglich gemacht wurde.

Auf Grundlage des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14.07.1933 wurden auch Menschen aus der Stadt und dem Landkreis Leer zur Sterilisation gezwungen. Die Begleitumstände und konkrete Beispiele waren das Schwerpunktthema des Gedenkgottesdienstes.

Bürgermeister a. D. Wolfgang Kellner, Pastorin i. R. Christine Kimmich und Frau Silke Janssen veranschaulichten mit Zitaten aus dem Buch „Verfolgung und Verstrickung“ die Vorgehensweisen der örtlichen Machthaber und die konkreten Auswirkungen einer bevorstehenden Zwangsterilisation, die Frau Wübke Anna Lührs aus Detern im Juli 1937 brieflich in erschütternder Weise schilderte. Sie berichtete, dass die Betroffene sich in ihrem Elternhaus vor dem bevorstehenden Eingriff erhängt hatte.

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(von links) Wolfgang Kellner, Christine Kimmich und Silke Janssen

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Grundlage für den Predigttext war Psalm 79,1-5.8, in dem Asaf, Sänger und Musiker an der Bundeslade, Gott unter anderem darum bittet, nicht das Unrecht anzurechnen, welches unsere Väter begangen haben.

Krankenhausseelsorger Hans-Jürgen Dicke setzte sich in seiner Predigt mit der Unvorstellbarkeit auseinander, dass die NS-Schergen Menschen die Fähigkeit genommen haben, Leben zu zeugen und weiter zu geben. Auch dies, so seine Botschaft, sollte zukünftig Gegenstand einer Erinnerungskultur sein.

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Ein ökumenischer Chor unter der Leitung von Frau Pollmann-Busch sorgte für den musikalischen Rahmen.


 

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