Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland e. V.

Studienfahrt nach Osnabrück

Die diesjährige Studienfahrt der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland e. V. (GCJZ) am 22. Oktober 2017 führte unter Leitung des Vorsitzenden Wolfgang Kellner in die Stadt des Westfälischen Friedens Osnabrück. Exkursionsstationen waren das Felix-Nussbaum-Haus und die Jüdische Gemeinde Osnabrück. Während der Mittagszeit bestand Gelegenheit, das Erich Maria Remarque-Friedenszentrum oder das Historische Rathaus der Stadt Osnabrück zu besuchen, in dem 1648 am Ende des Dreißigjährigen Krieges, wie in Münster auch, der Westfälische Frieden unterzeichnet wurde.

Über 200 Exponate des Künstlers Felix Nussbaum sind in einem von dem amerikanisch-jüdischen Architekten Daniel Libeskind erstellten Gebäude ausgestellt, bei dem die verwendeten Baumaterialien Holz, Beton und Zink einen engen und beeindruckenden Bezug zum Leben Felix Nussbaum und zur Zeit des Nationalsozialismus herstellen.

Die Museumsführung stellte sach- und fachkundig das Leben und ausgewählte Werke des jüdischen Malers vor.

Felix Nussbaum wurde 1904 geboren und wuchs in einem reformjüdisch orientierten Elternhaus auf. Ein Bezug zu Ostfriesland ergibt sich dadurch, dass seine Mutter Rahel aus Bunde und sein Vater Philipp aus Emden stammten. 1933 verließ er aufgrund der beginnenden nationalsozialistischen Verfolgungsmaßnahmen Deutschland und tauchte 1940 nach Aufenthalten in Italien und Frankreich in Brüssel unter. Nachdem er verraten wurde, deportierte man ihn nach Auschwitz, wo er 1944 ums Leben kam.

Beginnend mit den Portraits seiner Eltern und u. a. mit den Bildern „Die beiden Juden“, „Der Flüchtling“, „Selbstbildnis an der Staffelei“ oder „Selbstbildnis mit Judenpass“ wurden den Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Arbeits-, Gedanken-und Gefühlswelt des Felix Nussbaum in der Drangsalszeit des Nationalsozialismus exemplarisch und nachdrücklich dargestellt. Durch die Museumsführung konnten sachverständig Details und Emotionen des Künstlers transparent präsentiert werden.

Das Erich Maria Remarque-Friedenszentrum befindet sich nur wenige Schritte entfernt vom Felix-Nussbaum-Museum gegenüber dem Dom und dem Rathaus der Stadt Osnabrück und zeigt in der Dauerausstellung »Unabhängigkeit – Toleranz – Humor« das Leben und die Werke von Remarque, der von 1898 bis 1970 gelebt hat und u. a. durch sein Hauptwerk, dem Antikriegsroman „Im Westen nichts Neues“, weltberühmt wurde. Seine Werke wurden durch die Nationalsozialisten verboten und 1933 bei der öffentlichen Bücherverbrennung vernichtet. Nach der Aberkennung seiner deutschen Staatsbürgerschaft emigrierte er in die USA.

Nach dem Mittagessen durfte die Gruppe bei der Jüdischen Gemeinde Osnabrück zu Gast sein. Der Kontakt konnte durch Wolfgang Kellner hergestellt werden. Die Gruppe wurde ganz herzlich von Frau Ruth de Vries und Frau Goldmann in dem 2010 fertig gestelltem Synagogenneubau empfangen. Frau de Vries ist die jüdische Vorsitzende der GCJZ Osnabrück und wie Frau Goldmann Mitglied der Synagogengemeinde Osnabrück. Nach der Begrüßung informierten Frau de Vries und Frau Goldmann im Gottesdienstraum umfassend zum Gottesdienstablauf, zum Toraschrein, zur Bedeutung der Torarollen, zur Toralesung mit dem dazugehörigem „Jad“ und vieles mehr. Durch viele wissbegierige Nachfragen entwickelte sich der Vortrag in eine hochinteressante Dialogveranstaltung, bei der alle Gruppenmitglieder Bekanntes vertiefen und Neues erfahren durften.

         

Ein Höhepunkt war für alle der Auftritt des Gemeindekantors Baruch Chauskin, dessen Vorsingen im Gottesdienstraum für alle Gruppenmitglieder überaus beeindruckend war.

Der Nachmittag klang mit einem Beisammensein bei vorbereitetem Kaffee und Kuchen in den Räumlichkeiten der Synagoge aus, nicht ohne dass abschließend Herr Baruch Chauskin, jetzt mit Gitarrenbegleitung, Kostproben seines Könnens präsentierte, das durch kräftiges rhythmisches Mitklatschen und Singen aller Anwesenden begleitet wurde. 

    


 

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