Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland e. V.

„Sie hat uns an ihrem Leben teilhaben lassen“

„Eine starke Persönlichkeit! Es ist sicherlich nicht leicht, die eigene Familiengeschichte so intensiv zu erforschen, wenn die Hintergründe alte Wunden aufreißen. Ich finde es bewundernswert, wie engagiert sie in der Öffentlichkeit auftritt, um von ihrem Schicksal und das ihrer Eltern zu erzählen. Die Kraft, die sie dabei versprüht, ist unglaublich.“

Xenia Steffgen, Teilnehmerin der Arbeitsgemeinschaft „Auf den Spuren unserer ehemaligen jüdischen Mitbewohner“ am Teletta - Groß - Gymnasium ist immer noch beeindruckt. Sie traf Frau Yehudith Heymans-Gudema, als diese das TGG Mitte Mai besucht hat, um als einzige Überlebende ihrer Familie von den Grauen der Shoah zu berichten. Der Kontakt war über Frau Alie Noorlag von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit zustande gekommen. In ihrem eineinhalbstündigen Vortrag über die lange Suche nach der eigenen Identität zog die gebürtige Niederländerin jüdischer Herkunft alle Gäste in ihren Bann:

Yehudith Heymans-Gudema schilderte, wie nach der Annexion der Niederlande und den ersten Verfolgungsmaßnahmen gegenüber der jüdischen Bevölkerung ihren Eltern Jacob und Rebecca Gudema eine dunkle Vorahnung beschlich. Vater und Mutter glaubten, dass es alsbald keine Hoffnung für sie selbst gäbe. So versuchten sie, zumindest ihre Tochter vor den Nazi-Schergen zu retten. Dazu nahmen sie Kontakt zu einem Mitglied des niederländischen Widerstands namens Opdam auf und verabredeten, wie sie ihr Kleinkind in einem Hauseingang zu treuen Händen übergeben könnten. Die blonde Haarfarbe des kleinen Mädchens bot eine gute Tarnung. So wurde Yehudith im Dezember 1942 von Herrn Opdam fürsorglich aufgenommen und einer lieben Dame namens „Tante Nell“ in sorgsamer Obhut gegeben. Währenddessen waren die leiblichen Eltern gemeinsam mit dem einzigen Sohn Benjamin gezwungen worden, sich in das Durchgangslager Westerbork einzufinden. Drei Monate später, im März 1943, wurde die Familie nach Sobibor deportiert und dort unmittelbar nach der Ankunft ermordet. Nach dem Ende des Krieges begann für Yedudith, die aus Sicherheitsgründen weder ihren wahren Namen noch ihre Herkunft erfahren hatte, eine Odyssee durch mehrere Pflegefamilien.

Yehudith Heymans-Gudema band ihre jugendlichen Zuhörer immer wieder in ihre Geschichte ein:

„Was würdet ihr tun, wenn euch als Kind untersagt wird, den „verbotenen Schrank“ im Wohnzimmer zu öffnen?“ Antwort der Menge: Ihn doch öffnen (?) „Ja, natürlich!“ so die Erwiderung der Gastrednerin. Als Sechsjährige schloss das kleine Mädchen die verbotene Schublade in der Wohnung der Pflegeeltern auf. Sie entdeckte ein Dokument mit vier für sie unbekannten Namen und zwei Postkarten an jene unbekannten Namen adressiert. Just in diesem Augenblick erschien die Pflegemutter im Zimmer, zerriss die Postkarten vor den Augen des Kindes und blieb eine Erklärung zeitlang ihres Lebens schuldig. Heute weiß Frau Yehudith Heymans-Gudema: Jenes Dokument gab nicht nur Auskunft über die Namen der leiblichen Eltern und des Bruders, sondern auch über das ihre. Es sollten noch Jahrzehnte vergehen, bis Frau Heymans-Gudema die wahren Hintergründe erfuhr und die Zusammenhänge erkennen konnte.

Über die zentrale Datenbank der Gedenkstätte Yad Vashems mit den Namen der Holocaustopfer gelang es dem ehemaligen Widerstandskämpfer Jan Opdam mit der Unterstützung seines Nachbarn Peter Krans, Kontakt zu Yehudith Heymans-Gudema aufzunehmen. Sie hatte für ihre Familienangehörige jene digitalen Gedenkblätter ausgefüllt. Die Wiedersehensfreude war überwältigend. Für Frau Heymans-Gudema eröffnete sich eine neue Welt mit Fotos von der Mutter und dem Vater, Erzählungen über ihre Familie und Gewissheit über das Schicksal ihres unmittelbaren Angehörigen. Um ihrer Familie zu ehren, ist Frau Heymans-Gudema nach Sobibor gereist und hat einen Gedenkstein mit den Namen der Ermordeten errichten lassen. Dahinter pflanzte sie eine Kiefer zum Zeichen, dass sie und der Familienname überlebt haben: ihr Sohn heißt Oren, auf Hebräisch „Pinie“. Der Baum mit großer Symbolkraft wächst und gedeiht.

Heute wisse sie, wer sie sei. Seit den 60er Jahren lebt sie in ihrer Wahlheimat Israel, hat zwei Kinder und fünf Enkelkinder. Sie arbeitet als Kunsttherapeutin, die Suchtkranke sowie Demenz-Erkrankte unterstützt. Xenia Steffgen nach dem Besuch des charismatischen Gastes:

„Nach diesem Vortrag habe ich für mich ein Fazit gezogen. Man sollte nicht blind durchs Leben gehen, sondern immer neugierig sein. Außerdem sollte man für sich selbst wissen, wer man ist und wo seine Wurzeln sind, denn sie können einem Stärke verleihen.“

                                                                                                           

Bericht einer Israelreise

In einer Mitgliederversammlung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit berichteten zwölf Schülerinnen und Schüler der FCSO Moormerland über den diesjährigen Jugend-Austausch mit Israel.

Eindrucksvoll schilderten die Jugendlichen ihre persönliche Erfahrungen und Empfindungen in der Begegnung mit jungen Israelis sowohl in ihren Familien hier als auch den Gastfamilien in Israel. Die Vorträge wurden ergänzt durch Fotos und selbstgestaltete Videos. Anschließend stellten sich die Schülerinnen und Schüler den Fragen des Publikums. Dabei betonten sie, für ihre persönliche Entwicklung von diesem Austausch profitiert zu haben. Mit ihren Liedvorträgen unter Gitarrenbegleitung überraschten sie die Zuhörer. Der 1. Vorsitzende, Wolfgang Kellner, bedankte sich bei den jungen Leuten und ihren Lehrerinnen, den Frauen Aeilts und Hinrichs, für den unvergesslichen Abend.

 

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König Willem-Alexander der Niederlande beruft Vorstandsmitglied in den Orden von Oranje-Nassau

 

Aaltje (Ali) Noorlag aus Stadskanaal (Gemeinde Vlagtwedde) wurde von König Willem-Alexander der Niederlande in den Orden von Oranje-Nassau berufen. Damit wurde ihre langjährige ehrenamtliche Arbeit gewürdigt. Neben vielen anderen Themen kümmert sie sich um die Erinnerung an die jüdischen Opfer in den Niederlanden während der deutschen Besatzungszeit. Weiterhin tritt sie aktiv für den Austausch mit dem heutigen Israel ein. Seit zwei Jahren ist die Niederländerin auch Vorstandsmitglied in der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Ostfriesland mit Sitz in Leer.

 

Wie in den Niederlanden üblich werden die künftigen Ritter des Ordens unter einem Vorwand in das jeweilige Rathaus gelockt, wo der Bürgermeister, Verwandte und Freunde warten. So auch in diesem Fall. Am Sitz der Gemeinde Vlagtwedde in Sellingen überreichte die Bürgermeisterin Leontien Kompier der verdutzten Alie Noorlag die Urkunde mit dem Orden. Eingeladen war auch der Vorsitzende der GCJZ, Wolfgang Kellner, der als einer der ersten gratulierte. Wir sind stolz darauf, ein Mitglied des Ordens von Oranje-Nassau in unseren Reihen zu wissen, so Wolfgang Kellner.


 

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