Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland e. V.

„Schweigemarsch zum Viehhofgelände zum Gedenken an die Pogromnacht in Leer“

Wolfgang Kellner, Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich Jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland e. V. und Bürgermeister der Stadt Leer a. D., konnte am 07. November 2018 gut 200 Mitbürgerinnen und Mitbürger am Leeraner Rathaus zum „Schweigemarsch zum Viehhofgelände zum Gedenken an die Pogromnacht in Leer“ begrüßen.

Mit dem anschließenden Schweigemarsch wurde den jüdischen Opfern gedacht, die in der Nacht vom 09. auf den 10. November 1938 von SA-Leuten wie Vieh durch die Straßen der Stadt zum damals städtischen Viehhof getrieben wurden, während  die Synagoge an der Heisfelder Straße nieder brannte. Der Weg führte, wie die der Opfer vor 80 Jahren, über die Doktor-vom-Bruch-Brücke in die Nessestraße zum Viehhof.

145 Menschen wurden 1938 auf diesem Weg erniedrigt und gedemütigt. Ihre Namen sind nicht vergessen und können unter diesem Link nachgelesen werden.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Schweigemarsches trugen 145 weiße Rosen sinnbildlich für die Opfer und legten sie am ehemaligen Schlachthaus des Viehhofes (inzwischen abgebrochen) nieder.

Liste der 145 Opfer hier klicken

In seiner Gedenkrede rief Wolfgang Kellner in Erinnerung, dass bis dahin honorige Bürger mit bürgerlichen Berufen unserer Stadt die Täter waren und nicht bezahlte SS-Schergen. Auch aktuell ist wieder Antisemitismus und Hass auf Minderheiten zu registrieren, der auch in Leer teilweise bewusst geschürt und zu Gewalt führt, so dass das Erinnern auch und gerade Auftrag ist, diesen Tendenzen couragiert entgegen zu treten.

Die Ausführungen von W. Kellner können hier nachgelesen werden.

Daniel Rosenberg, Professor für Geschichte an der Universität von Oregon (USA), der sich derzeit beruflich mit seiner Familie in Berlin aufhält und eigens nach Leer gekommen war, zeichnete in seiner Rede eindruckvoll seine Familiengeschichte nach, die bis zur Geburt von Salomon Rosenberg 1750 in Leer zurück reicht.

Der Urgroßvater Mayer Rosenberg, 1869 in Leer geboren, betrieb ein Antiquitätengeschäft in der Nähe des Bahnhofs und baute das Wohnhaus Reimerstraße 1.

Die Mitglieder der weit verzweigten Familie Rosenberg, die sich am 9. November 1938 noch in Europa aufhielten,  wurden nach Osten deportiert und getötet.

Lediglich Rudy Rosenberg und seine Familie überlebten den Krieg.

Prof. Daniel Rosenberg und Wolfgang Kellner

Die Ausführungen von D. Rosenberg können hier nachgelesen werden.

Umrahmt wurde die Veranstaltung durch Musikstücke des Saxophon-Ensemble „Carpe Diem“ unter Leitung von Uwe Heger.


 

Website Erstellung durch OSG neue Medien mbh, Oldenburg