Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland e. V.

Gedenken an die Pogromnacht von 09. November 1938

Kranz der GCJZ und Gedenktafel  am Werkstattgebäude auf dem ehemaligen Synagogengrundstück

Wir gedenken am 9. November der Pogromnacht, die vor 1938 auch Leer erschütterte. In dieser Nacht wurde die Synagoge abgebrannt, jüdische Geschäfte wurden zerstört, Wohnungen verwüstet und als Menetekel für den Holocaust jüdische Menschen aus ihren Wohnungen getrieben, misshandelt und verhöhnt.

Die Menschen wurden zum Schlachthaus der seinerzeit städtischen Viehhofanlage  - inzwischen abgebrochen -,  getrieben, über Nacht eingesperrt und gedemütigt. Allein die Wahl dieses Ortes zeugt von dem grenzenlosen Hass der Täter. Die jüdischen Männer wurden anschliessend in das KZ Sachsenhausen transportiert, nach Monaten zwar entlassen, aber für ihr ganzes Leben von der Brutalität gezeichnet.

Der Blick auf die Opfer reicht nicht aus. Drehen wir uns um und sehen in die Augen der Täter. Die Menschen wurden getrieben, die Synagoge wurde niedergebrannt. Von wem?  Die erschreckende, historisch belegte Erkenntnis: Nicht bezahlte SS-Schergen von weit her, nein, bis dahin honorige Bürger aus unserer Stadt waren die Täter. Sie hatten bürgerliche Berufe und wohnten in derselben kleinen Stadt wie ihre Opfer.  Sie richteten ihre Gewalt gegen angesehene Bürger jüdischen Glaubens, die u.a. als Handwerker, Geschäftsleute, Lehrer schon lange in Leer wohnten und sich als Deutsche und Ostfriesen sahen.

 Die Täter hingegen streiften ihre bürgerliche Maske ab und liessen ihrem Hass freien Lauf.

Ein solcher Vorgang führt uns in die Gegenwart. Es ist nicht damit getan, sich zu erinnern und zu gedenken. Es gibt aktuell wieder Antisemitismus,  Hass auf Minderheiten, bewusst geschürt, auch in Leer. Es gibt auch wieder Gewalt gegen Menschen, wegen ihrer Herkunft, Religion oder Kultur.

Wir verstehen das Erinnern als Auftrag für uns in Leer, den Biedermännern, die heute wieder mit dem Vokabular der völkischen Bewegung und der Nazis Hass säen, couragiert entgegenzutreten.

Wolfgang Kellner

Vorsitzender

Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Ostfriesland


 

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