Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland e. V.

"Auf den Spuren von Uri Orlev" Vortrag und Bericht von Frau Wiebke Post

Anlässlich der Eröffnung der Internationalen Mittelmeer-Tourismus-Börse (IMTM) im Februar 2018 in Tel Aviv teilte der israelische Tourismusminister Yariv Levin mit, dass das Jahr 2017 mit 3,6 Millionen Besuchern für Israel ein Rekordjahr war.

Vielfach bereisten die Menschen Israel mit Reisegruppen, um das Land und soweit möglich die Bevölkerung kennen zu lernen. Unser Mitglied der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland e. V., Frau Wiebke Post, wählte im Juli 2017 eine außergewöhnliche Reiseform mit dem primären Ziel, den Menschen näher zu kommen: Sie nutzte eine international tätige, gemeinnützige nicht staatliche Föderation, die ein Netzwerk von Gastgebern und Reisenden umfasst. Der Zweck des Netzwerkes besteht darin, den Frieden und das Verständnis in der Welt zu fördern, indem es Möglichkeiten für persönliche Kontakte zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen, Herkunft und Nationalität bietet. Als Reisende nahm Frau Post Kontakt zu verschiedenen privaten Gastgebern in ganz Israel auf, die ihr jeweils für zwei Tage eine Unterkunft zur Verfügung stellten.

            

                                                                                   Begrüßung durch den Vorsitzenden Wolfgang Kellner                                      Frau Post bei ihrem Vortrag

                                                                                 

In ihrem Vortrag begab sich Frau Post mit den Anwesenden noch einmal auf ihre Reise durch das Heilige Land nicht ohne einen erinnerungskulturellen und im Zuge dessen auf die gegenwärtige Bedeutsamkeit eines vielschichtigen „Zachor“ - Erinnere dich – im pädagogischen und gesellschaftlichen Kontext  herzustellen. Eindrucksvoll konnten die Zuhörer teilhaben an ihren oftmals sehr emotionalen und emphatischen Begegnungen und Zusammenkünften mit den Gastgebern in ihrer täglichen Umwelt in Tel Aviv, Haifa oder nahe der judäischen Wüste. Die Strapazen der Reise mit dem öffentlichen Nahverkehr ohne Kenntnisse der hebräischen Landessprache  wurden mehr als aufgewogen durch einen Segeltörn auf dem Mittelmeer, landesspezifische Speisen und insbesondere die offene und überaus herzliche Aufnahme bei den Gastgeberinnen und Gastgebern.

In mehrfacher Hinsicht durften die Zuhörer die letzte Reisestation mit Frau Post erleben und die allgemeine Aussage nachvollziehen, dass in Tel Aviv gefeiert und in Jerusalem gebetet wird. Durch die bekannte Anwesenheit und Anspruchsmentalität insbesondere der jüdischen, christlichen und islamischen Welt präsentiert sich hauptsächlich die Altstadt als Brennglas der religiösen und damit auch der politischen Welt.

Daneben hatte Frau Post aber eine andere, sehr persönliche Adresse in ihrem Gepäck, die eine bemerkenswerte Vorgeschichte hat und zu einem Höhepunkt ihrer Reise führte:

Frau Post hat im Rahmen ihrer Lehrerinnenausbildung im Jahr 2012 in ihrer Masterarbeit über die Umsetzung der Erinnerungskultur im Deutschunterricht das Buch „Lauf Junge, lauf“ von Uri Orlev als Forschungsgrundlage genommen, wobei sich ein persönlicher Kontakt zwischen Frau Post und Herrn Orlev entwickelte.

Der Autor Uri Orlev wurde 1931 in Warschau geboren, musste eine Zeit im Warschauer Ghetto verbringen, bis er in das Konzentrationslager Bergen-Belsen deportiert wurde. Nach der Befreiung durch die amerikanische Armee gelangt er nach Israel, wo er noch heute in Jerusalem wohnt.

Als Lehrerin der Friesenschule in Leer nahm sie mit einer 7. Klasse das Buch „Lauf, Junge, lauf“ von Uri Orlev als Grundlage für den Literaturunterricht, der in einen Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen und in eine Begegnung mit dem Autor führte. Ihre Kontakte zum Autor ermöglichten es den Schülerinnen und Schüler, jeweils zwei Fragen an Herrn Orlev direkt zu stellen, die er allesamt beantwortete.

Diese Form der Erinnerungsarbeit und der sich daraus entwickelte Kontakt führte zu einer Einladung von Frau Post in das Privathaus von Uri Orlev und seiner Frau, die im Rahmen ihrer Reise zu einer sehr persönlichen Begegnung in Jerusalem führte.

Durch den Vortrag wurde deutlich, dass die von Frau Post gewählte Form der Reise ins Heilige Land sehr viel Mut und Courage erfordert, aber auch viel Liebe zum Land und zu den Menschen deutlich werden lässt.

Der Vorsitzende Wolfgang Kellner wies abschließend zur Recht darauf hin, dass diese Form der schulischen Erinnerungsarbeit vorbildlich und beispielgebend ist. Es sei erfreulich, dass in Leer Lehrerinnen und Lehrer auf vielfache Weise daran mitwirken, das Gedenken wach zu halten. Ob die Teilnahme an der Gedenkveranstaltung zum 09. November, der Einsatz für eine würdige Gestaltung des ehemaligen Synagogengrundstückes oder die intensive Bearbeitung der Thematik im Unterricht. 

Die Zuhörerinnen und Zuhörer danken Frau Post mit einem Riesenapplaus auch dafür, dass sie auch in ganz persönliche Reisemomente mitgenommen wurden.


 

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