Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland e. V.

„Aspekte des jüdischen Lebens in Weener“

Auf dem Weg vom Hafen in Weener Richtung Norderstraße kommt man zum Haus Norderstraße 79, welches sich dem Betrachter umfangreich saniert präsentiert. Richtet man den Blick auf den oberen Teil des Giebels, entdeckt man das Hexagramm-Symbol eines Davidsterns, das auf einen jüdischen Bezug des Hauses hindeutet.

Das Norderstraße 79 - ehemals Hafenstraße 5

Davidstern am Giebel des Hauses

v. l.: Prof. Dr. Peter Hein und Günther Prahm

Die Eheleute Günther und Lore Prahm haben das Haus nach historischem Vorbild restauriert und konnten dabei sogar alte Steine, die im Garten gefunden wurden, verwenden.

Bewohnt wurde das Haus bis 1940 von der jüdischen Familie de Jonge, die in Weener insgesamt 30 Familienmitglieder hatten.

Auf Anregung der Eheleute Günther und Lore Prahm luden die Stadt Weener und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland e. V. Prof. Dr. Peter Hein aus Burgwerd/Niederlanden ein, der ein Nachfahre der Familie de Jonge ist und seine Familiengeschichte erforscht und in dem Buch „Het Misverstand - Een stadtje, twqee doden en de opkomst van het nazime“ (ISBN: 978-90-225-7822-3) niedergeschrieben hat.

Herr Hein nahm in seinem facettenreichen Vortrag die zahlreichen Zuhörer in das Leben und Arbeiten der Familie seines Urgroßvaters Heinrich de Jonge mit, der dort ein Textilgeschäft betrieb. Er hatte einen Sohn, Jakob und die Töchter Eva und Johanne. Johanne war die Großmutter von Herrn Peter Hein.

Jakob handelte mit elektronischen Geräten und hatte als erste Person in Weener ein Auto. Eva betrieb ein Bettenhaus in  der Neuen Str. 2.

Peter Hein wusste zu berichten, dass sich Albert de Jonge, ein Cousin seiner Mutter, mit einem Pinto aus Jemgum im Dauerstreit befand. Dieser eskalierte und Pinto fuhr eines Tages zur Synagoge und wollte Albert erschießen, traf jedoch Alberts Bruder Wolf mit sechs Schüssen. Hat es sich so zugetragen oder war es ganz anders? Die Auflösung ist im Buch „Het Misverstand“ nachzulesen.

Mit der Machtergreifung 1933 durch die Nationalsozialisten änderte sich das Leben für alle der ca. 130 jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger in Weener schlagartig. Sie wurden in der Folgezeit von SA-Männern, die vor den jüdischen Geschäften auftauchten, drangsaliert und terrorisiert. Die Eltern von Peter Hein flohen 1937 in die Niederlanden.

Prof. Dr. Peter Hein

Am Rande der Veranstaltung äußerte sich Peter Hein kritisch zur Situation der Gedenkstätte in der Westerstraße, in der die Synagoge stand. Durch den beabsichtigten Hausverkauf ist zu befürchten, dass die Gedenkstätte nicht erhalten werden kann.


 

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