Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland e. V.

Albrecht Weinberg begleitete Schüler zur Preisverleihung nach Berlin

Fehntjer Schüler beschäftigten sich mit Leben des Holocaust-Überlebenden

Die Schüler aus Rhauderfehn setzten sich unter anderem auch mit einer Petition für einen würdigen Synagogen-Platz ein.

Foto: Albrecht Weinberg wurde auf der Bühne von der Moderatorin des Wettbewerbs interviewt: „Wenn ich in Schulen meinen Vortrag beendet habe, dann ist es totenstill“, sagte er.

Von Bernd-Volker Brahms

Berlin/Rhauderfehn/Leer – Ein Schülergruppe der Europaschule aus Rhauderfehn wurde am Freitag in Berlin bei einem Geschichtswettbewerb „Denkt@g“ der Konrad-Adenauer-Stiftung ausgezeichnet. Der Geschichtskurs von Lehrerin Anke Chudzinski-Schubert hatte sich in verschiedener Weise mit dem Holocaust auseinandergesetzt und auch den engen Kontakt zu dem heute 93-jährigen Auschwitz-Überlebenden Albrecht Weinberg gesucht, der seit 2012 wieder in Leer lebt, nachdem er 60 Jahre in den USA verbracht hatte. Weinberg begleitete die zehnköpfige Schülergruppe ebenso nach Berlin wie Schulleiterin Ulrike Janssen und Betreuer Kalle Puls-Janssen.

Die Rhauderfehnjer Gruppe bekam einen „sehr verdienten“ Anerkennungspreis, wie Laudator Andreas Kleine-Kraneburg von der Adenauer-Stiftung es ausdrückte. Er lobte die Vielfältigkeit der Aktivitäten, mit denen sich die Schüler dem Thema genähert hätten und dies auf einer Website zusammenfassten. So hatten sich die insgesamt 15 Jugendlichen, die im Frühjahr ihr Abitur machen, mit der Biografien der vertriebenen jüdischen Familien in Rhauderfehn beschäftigt, für die es auch Stolpersteine im Ort gibt. In der Schule haben sie dazu einen „Raum der Stille“ eingerichtet. Ferner haben sie eine Spendenaktion initiiert, mit dem in Israel ein „Rhauderfehn Hain“ mit 365 Bäumen errichtet werden konnte. Zuletzt kümmerten sie sich um eine Petition, mit der sie sich für eine würdevolle Nutzung des ehemaligen Synagogengeländes in Leer einsetzten. 2500 Unterschriften haben sie gesammelt und sie im Februar 2018 der Bürgermeisterin Beatrix Kuhl überreicht.

Insgesamt waren 14 Schulgruppen und Einzelakteure nach Berlin eingeladen worden, um unter anderem vom ehemaligen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert (CDU) prämiert zu werden. Demokratie sei „kein Naturzustand“, sagte Lammert. Dies müsse mit Leben gefüllt werden. Der Wettbewerb trage dazu bei. Der Wettbewerb steht im Zusammenhang mit dem 27. Januar als Holocaust-Gedenktag. Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog hatte diesen initiiert.

Sie seien in das Thema „reingerutscht“, sagte Schülerin Wiebke Strack bei der Preisverleihung. Im normalen Geschichtsunterricht würde es die intensive Beschäftigung mit dem Thema nicht geben. Bei der Begegnung mit dem Zeitzeugen Albrecht Weinberg habe sie selbst am meisten interessiert, wie dieser nach dem Krieg weitergelebt hat.“ Man spricht gerne mit ihm“, sagte sie. Weinberg gab das Kompliment zurück. Die Schüler seien „Number one“, sagte er. Sie hätten auch einen Number One-Preis verdient. Er gehe gerne in die Schulen, sagte Weinberg. Allerdings habe er erst ab 1985 erlebt, dass es in Deutschland andere Menschen gebe, als damals als er 1947 nach Amerika gekommen ist. 1985 kamen Albrecht Weinberg und dessen Schwester Friedel erstmals bei einer Begegnungswoche zurück nach Leer.

Auch im Sinne von Albrecht Weinberg hatten sich die Schüler dafür eingesetzt, dass das Areal der ehemaligen Synagoge am Bummert zu einem Gedenkplatz wird. Früher befand sich auf dem privaten Grundstück eine Tankstelle, nun steht alles leer. „Das ist ein Schandfleck“, sagte Schülerin Lena Hessenius. Die Schüler sind enttäuscht, dass sie weder vom Besitzer des Grundstücks noch von Bürgermeisterin Kuhl eine Reaktion bekommen haben.

Die Fehntjer Schüler haben in Berlin zwar kein Preisgeld gewonnen, wie die ersten drei Platzierten, sie bekamen jedoch von Albrecht Weinberg eine Reise nach Auschwitz geschenkt. Er werde eine Fahrt für die Schüler bezahlen, kündigte er an.

Bei der Preisverleihung in Berlin waren folgende Schüler dabei: David Ammermann, Timo Bunger, Luisa Brettschneider, Lena Hessenius, Neema Ihlenburg, Amke Loger, Tobias Meyer, Moritz Rindermann, Wiebke Strack und Jonas Schmidt.


 

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