Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland e. V.

4. Jüdische Woche

Eröffnungsveranstaltung

Der Landkreis Leer führte die 4. jüdische Woche vom 29.05. - 02.06.2017 mit insgesamt 19 Veranstaltungen durch. Die Eröffnung fand am 29.05.2017 im Historischen Rathaussaal der Stadt Leer statt, dessen Leitthema die Wiedergutmachung war. Alle Redner brachten zum Ausdruck, dass die begangenen Gräueltaten der Jahre 1933 - 1945 nicht „wieder gut gemacht“ werden können und konnten, sondern dass der Wiedergutmachungsbegriff ein politisches Konstrukt zur Bezeichnung der Wiedergutmachungspolitik insbesondere der 1950er-Jahre ist.

Die schwierigen und oftmals im Verborgenen geführten Verhandlungen der Bundesrepublik Deutschland, Israels und der Jewish Claim Conference mündeten in das Luxemburger Abkommen von 1952 sowie in  den nachfolgenden Bundes-entschädigungsgesetzen.

In seinem Grußwort brachte Wolfgang Kellner als Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland die Erwartung und Hoffnung zum Ausdruck, dass unter der Federführung des Landkreis Leer die zukünftige Durchführung einer jüdischen Woche sichergestellt ist. Bei seinem jüngsten Besuch in Israel konnte er anlässlich persönlicher Begegnungen mit Nachfahren ehemaliger jüdische Leeraner Mitbürger erfahren, wie wichtig eine gelebte Erinnerungskultur ist. Damit ist die Vergangenheit nicht zu „bewältigen“, aber ein wichtiger Gesichtspunkt gegen das Vergessen.

Grußwort des Vorsitzenden der GCJZ, Wolfgang Kellner

Geblieben sind die Gräber

Mahnmal auf dem jüdischen Friedhof Leer

Unter der Überschrift „Geblieben sind die Gräber“ führte Dr. Hartmut Haas fach- und sachkundig 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmer über den jüdischen Friedhof an der Groninger Straße/Schleusenweg in Leer.

Unter anderem erfuhren die Exkursionsmitglieder, dass jüdische Friedhöfe für die Ewigkeit angelegt sind und nicht verändert bzw. eingeebnet werden dürfen. Anstatt Blumenschmuck werden Steine, zumeist kleine Kieselsteine, bei Besuchen auf den Grabstein gelegt. Aschkenasim erhalten aufrecht stehende Grabsteine, während Sepharden unter liegenden Grabplatten bestattet werden.

Der oben abgebildete Grabstein gehört zu den ältesten Steinen auf dem jüdischen Friedhof in Leer. Auf ihm ist die Jahresangabe 595 zu lesen. Im jüdischen Kalender wird nach dem Jahr 5000 ein Jahr in der Regel nach „der kleinen Zeitrechnung“, d.h. unter Weglassung der 5000, angegeben, so dass die Übertragung des Jahres 595 auf den gregorianischen Kalender die Jahreszahl  1835 n. Chr. ergibt:

                                               jüdischer                                          gregorianischer

                                               Kalender                                           Kalender

Schöpfungsworte                       0 v.d.Z.                                              3760 v.d.Z.

Geburt Jesus                             3760                                                  0

                                               5000 n.d.Z.                                      1240 n.d.Z.

                                               5595 n.d.Z.                                       1835 n.d.Z.

Heute                                      5777 n.d.Z.                                        2017 n.d.Z.

v.d.z./n.d.Z. = vor bzw. nach der Zeitrechnung

Über das Land und die Menschen

Wolfgang Kellner berichtete als Vorsitzender der GCJZ und Mitglied der Reiseleitung der von der Gesellschaft organisierten und durchgeführten Israelreise im Frühjahr 2017, an der 26 Personen teilgenommen haben. Den Reiseteilnehmern und anwesenden Veranstaltungsgästen wurden von W. Kellner unter zur Hilfenahme von Videoclips und Bildern Menschen, Frömmigkeit und Topographie Israels anschaulich und eindrucksvoll präsentiert. Insbesondere die Reiseteilnehmer hatten große Freude daran, Begebenheiten und Situationen noch einmal gemeinsam nacherleben zu dürfen.

W. Kellner referierte von oft auch emotionalen Begegnungen mit Menschen, die durch ihre Vorfahren einen Bezug zur Stadt Leer haben. So traf die Reisegruppe sich unter anderem mit Max Grünberg, einem Verwandten des in Leer wohnenden Albert Weinberg sowie Gaby Sontheimer, verwandt mit dem in Leer wohnhaft gewesenen Uhrmacher Gans. Herr Sontheimer wird im Juni 2017 die Stadt Leer und dabei einige Reiseteilnehmer besuchen.

Nicht nur an der Kotel (Westwall bzw. Klagemauer), an den 14 Stationen der Via Dolorosa und exemplarisch am Felsendom wird die besondere Frömmigkeit der Stadt Jerusalem deutlich sichtbar, so dass das israelische Sprichwort: „In Jerusalem wird gebetet, in Haifa gearbeitet und in Tel Aviv gefeiert“ durchaus seine Berechtigung hat.

Weitere Stationen und Stichworte der Israelreise waren der See Genezareth, Jericho, die Golanhöhen, Kapernaum, das Drusengebiet, Tabgha, das Salzmeer oder Totes Meer, die Negevwüste, Masada sowie das Leben im Kibbutz.

Nachdenklich stimmten die Eindrücke und Informationen anlässlich des Besuches der Gedenkstätte der Märtyrer und Helden des Staates Israel im Holocaust,

 Yad Vashem, der bedeutendsten Gedenkstätte, die an die nationalsozialistische Judenvernichtung erinnert.

aufmerksame Zuhörerschaft

Das jüdische Weener

Frau Anny Kaufmann führte die Exkursionsteilnehmer zu den Orten des jüdischen Lebens in Weener. Ausgangspunkt war der Platz, an dem die Synagoge der jüdischen Gemeinde Weener gestanden hat, die nicht wie die anderen Synagogen am 09., sondern am 10.11.1938 vollständig nieder gebrannt wurde.

Eine 1990 von dem Leeraner Bildhauer Karl-Ludwig Böke geschaffene Menora steht als Denkmal am Zugang zum Synagogengrundstück.

Frau Anny Kaufmann und Herr Wolfgang Kellner an der Menora

In der Westerstraße 32 (bis 2009 Hindenburgstraße) ist eine Hinweis- und Gedenkplatte angebracht, die auf die ehemalige Synagoge hinweist.

Von der Westerstraße ging es zum Bahnhof Weener, auf dem von 1942 bis 1944 Deportationszüge aus Westerbork/Holland mit verhafteten Juden hielten. Dabei war 1944 auch Anne Frank.

In der Bahnhofstraße standen wir vor dem Gebäude der ehemaligen Puddingfabrik des jüdischen Mitbürgers Polak.

Letzter Punkt unserer Stadtführung war der jüdische Friedhof. Sonst eher unüblich, aber in Weener wurden 1943 von den Nazis fast alle Grabsteine geschliffen und vernichtet, was besonders grausam ist, denn es heißt, dass zerstörte Grabsteine zerstörte Seelen hinterlassen.

Weg zum jüdischen Friedhof


 

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