Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland e. V.

Aktuelles

„340 Jahre jüdische Geschichte in Leer“

Frau Menna Hensmann, Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland e. V. und beruflich Leiterin des Stadtarchivs Leer, erläuterte überaus kenntnisreich den Exkursionsteilnehmern „340 Jahre jüdische Geschichte in Leer“ an ausgewählten Örtlichkeiten der Leeraner Altstadt. Schwerpunkt ihrer Ausführungen waren die menschenverachtenden Vorgehensweisen der handelnden Personen in Leer in der Pogromnacht vom 09. auf den 10. November 1938 sowie den Tagen danach. Die Erläuterungen der Gesamtzusammenhänge der Vorgänge ergänzt durch anschauliche Schilderungen von bestialischen Einzelhandlungen führte allen Anwesenden das Unfassbare deutlich vor Augen.

Für alle waren die authentischen Anmerkungen und Ergänzungen des Zeitzeugen Albrecht Weinberg, der persönlich an der Führung teilnahm, eine Bereicherung. Er wurde 1925 in Westrhauderfehn geboren, 1936 als elfjähriger Junge von seinen Eltern getrennt und musste die Schule in Leer besuchen. Nach der Vertreibung aus Ostfriesland deportierten ihn die Nazis 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz. 1945 gelangt er mit den Todesmärschen nach Bergen-Belsen, aus dem ihn die Engländer am 15. April 1945 befreien.

Nach der Führung begaben sich die Teilnehmer in den Gemeindesaal der Großen Kirche, wo Herr Wolfgang Kellner als Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland Herrn Wolf-Georg von Eickstedt begrüßen konnte, der in seinen Ausführungen folgender Frage nachging:

„Die Juden und Jesus - Warum haben sie ihn nicht angenommen -“

Mit Herrn von Eickstedt als Referenten war es gelungen, einen überaus sach- und fachkundigen Fachmann einzuladen. Er absolvierte ein Studium der Theologie und Jüdische Studien an mehreren Universitäten, engagiert sich seit Jahren für den interreligiösen Austausch und ist derzeit Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Hildesheim. In dieser Funktion führt er in der jüdischen Gemeinde Hildesheim auch Gottesdienste durch.

                                         

Herr von Eickstedt begann seinen Vortrag mit dem folgenden Gedicht von Erich Mühsam (06.04.1878 Berlin - 10. 07.1934 KZ Oranienburg):

Heilige Nacht

Geboren ward zu Bethlehem
ein Kindlein aus dem Stamme Sem.
Und ist es auch schon lange her,
seit’s in der Krippe lag,
so freun sich doch die Menschen sehr
bis auf den heutigen Tag.
Minister und Agrarier,
Bourgeois und Proletarier ­
es feiert jeder Arier
zu gleicher Zeit und überall
die Christgeburt im Rindviehstall.
(Das Volk allein, dem es geschah,
das feiert lieber Chanukah.)

Der Beantwortung der Ausgangsfrage, warum die Juden Jesus nicht angenommen haben, näherte sich Herr von Eickstedt in seinen Ausführungen überaus fachkompetent und detailkenntnisreich mit drei Fragestellungen aus jüdischer Sicht:

1. Was erwarten Juden vom Messias?

2. Wer war die historische Person Jesu aus jüdischer Sicht?

3. An wen richtet sich das Christentum?

Dabei einbezogen und zur weiteren Themenvertiefung empfohlen wurde von ihm folgende Literatur:

„Jesus von Nazareth. Seine Zeit, sein Leben und seine Lehre.“

Joseph Klausner, jüdische Religionswissenschaftler (*20.08.1874 27.10.1958),

„Judas“ von Amos Oz, israelischer Schriftsteller und Großneffe von Joseph Klausner,

„Das Wesen des Judentums“ von Leo Baeck, deutscher Rabbiner (*23.05.1873 02.11.1956).

Letztlich drückten auch die anschließenden Diskussionsbeiträge aus, was Martin Buber einmal vorgeschlagen haben soll:

„Alle warten auf den Messias. Christen glauben, dass er bereits gekommen und wieder gegangen ist und dass er einst wiederkommen wird. Ich glaube, dass er bisher noch nicht gekommen ist, aber dass er irgendwann kommen wird. Deshalb mache ich Ihnen einen Vorschlag: Lassen Sie uns gemeinsam warten. Wenn er dann kommt, fragen wir ihn einfach: »Warst du schon einmal hier?« Und dann hoffe ich, ganz nahe bei ihm zu stehen, um ihm ins Ohr zu flüstern: »Antworte nicht«.“

Vita Wolf von Eickstedt hier klicken

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Auf den Spuren Uri Orlev in Bergen-Belsen

Mit dem Buch „Lauf Junge, lauf“ erzählt Uri Orlev mit der Figur „Jurek“  authentische Erlebnisse von Yoram Fridmann, einem jungen Juden, der aus dem Warschauer Ghetto fliehen kann, durch einen Unfall und Behandlungsverweigerung der Ärzte seinen rechten Arm verliert und doch den Zweiten Weltkrieg überlebt. Bei seinen Fluchterlebnissen trifft er auf Täter, Opfer und Mitläufer des nationalsozialistischen Regimes.

Der Autor Uri Orlev wird 1931 in Warschau geboren, muss eine Zeit im Warschauer Ghetto verbringen, bis er in das Konzentrationslager Bergen-Belsen deportiert wird.

Nach der Befreiung durch die amerikanische Armee gelangt er nach Palästina/Israel, wo er noch heute in Jerusalem wohnt. Mit dem Buch „Die Bleisoldaten“ legt Orlev ein lesenswertes, autobiographisches Werk vor.

Frau Post, Lehrerin an der Friesenschule in Leer und Mitglied unserer Gesellschaft, hat 2012 in ihrer Masterarbeit über die Umsetzung der Erinnerungskultur im Deutschunterricht das Buch „Lauf Junge, lauf“ als Forschungsgrundlage genommen. Die daraus entstandenen Ergebnisse bildeten die Grundlage für den Deutschunterricht der 7. Klasse an der Friesenschule. Somit konnte sie die Schülerinnen und Schüler anhand des Buchinhaltes und der Person Uri Orlev auf den Besuch der Gedenkstätte Bergen-Belsen fachgerecht einstimmen. Ihre Kontakte zum Autor ermöglichten es den Schülerinnen und Schüler, jeweils zwei Fragen an Herrn Orlev persönlich zu stellen, die er allesamt beantwortet hat.

Mit diesem Grundwissen fuhren die 7. und 10. Klasse in Begleitung von Schulleiter Herrn von Garrel, Herrn Bauer und Frau Post zur Gedenkstätte Bergen-Belsen. Da seitens der Gedenkstätte eine Führung am Besuchstag nicht angeboten werden konnte, vermittelte im Vorfeld der Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Wolfgang Kellner, Frau von Meding, Vorsitzende der AG Bergen-Belsen und selbst pensionierte Lehrerin als sach- und fachkundige Führung, die umsichtig, altersgerecht und emphatisch das Lagerleben und -sterben darstellte.

Frau Elke von Meding bei ihrem Vortrag

Nachdenklich waren alle Exkursionsteilnehmer am Ende des Rundgangs, bei der sie erfahren hatten, dass das Konzentrationslager, welches zunächst als „Aufenthaltslager für Austauschjuden“ eingerichtet wurde, zum „Sterbelager“ wurde, in dem die SS-Schergen über 52.000 Menschen sprichwörtlich vor ihren Augen „verrecken“ ließen.

                         

        Frau Post liest aus dem Buch „ Die Bleisoldaten“                                                        Eines der Massengräber

Frau Post wird noch in diesem Monat in Jerusalem bei einem verabredeten Treffen mit Herrn Orlev persönlich die Gelegenheit haben, vom Besuch der Leeraner Schülerinnen und Schüler zu berichten.

Die siebte Klasse der Friesenschule mit Herrn von Garrel (dritter von links), Frau Post (erste von rechts)und Frau von Meding (zweite von rechts)

 

4. Jüdische Woche

Eröffnungsveranstaltung

Der Landkreis Leer führte die 4. jüdische Woche vom 29.05. - 02.06.2017 mit insgesamt 19 Veranstaltungen durch. Die Eröffnung fand am 29.05.2017 im Historischen Rathaussaal der Stadt Leer statt, dessen Leitthema die Wiedergutmachung war. Alle Redner brachten zum Ausdruck, dass die begangenen Gräueltaten der Jahre 1933 - 1945 nicht „wieder gut gemacht“ werden können und konnten, sondern dass der Wiedergutmachungsbegriff ein politisches Konstrukt zur Bezeichnung der Wiedergutmachungspolitik insbesondere der 1950er-Jahre ist.

Die schwierigen und oftmals im Verborgenen geführten Verhandlungen der Bundesrepublik Deutschland, Israels und der Jewish Claim Conference mündeten in das Luxemburger Abkommen von 1952 sowie in  den nachfolgenden Bundes-entschädigungsgesetzen.

In seinem Grußwort brachte Wolfgang Kellner als Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland die Erwartung und Hoffnung zum Ausdruck, dass unter der Federführung des Landkreis Leer die zukünftige Durchführung einer jüdischen Woche sichergestellt ist. Bei seinem jüngsten Besuch in Israel konnte er anlässlich persönlicher Begegnungen mit Nachfahren ehemaliger jüdische Leeraner Mitbürger erfahren, wie wichtig eine gelebte Erinnerungskultur ist. Damit ist die Vergangenheit nicht zu „bewältigen“, aber ein wichtiger Gesichtspunkt gegen das Vergessen.

Grußwort des Vorsitzenden der GCJZ, Wolfgang Kellner

Geblieben sind die Gräber

Mahnmal auf dem jüdischen Friedhof Leer

Unter der Überschrift „Geblieben sind die Gräber“ führte Dr. Hartmut Haas fach- und sachkundig 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmer über den jüdischen Friedhof an der Groninger Straße/Schleusenweg in Leer.

Unter anderem erfuhren die Exkursionsmitglieder, dass jüdische Friedhöfe für die Ewigkeit angelegt sind und nicht verändert bzw. eingeebnet werden dürfen. Anstatt Blumenschmuck werden Steine, zumeist kleine Kieselsteine, bei Besuchen auf den Grabstein gelegt. Aschkenasim erhalten aufrecht stehende Grabsteine, während Sepharden unter liegenden Grabplatten bestattet werden.

Der oben abgebildete Grabstein gehört zu den ältesten Steinen auf dem jüdischen Friedhof in Leer. Auf ihm ist die Jahresangabe 595 zu lesen. Im jüdischen Kalender wird nach dem Jahr 5000 ein Jahr in der Regel nach „der kleinen Zeitrechnung“, d.h. unter Weglassung der 5000, angegeben, so dass die Übertragung des Jahres 595 auf den gregorianischen Kalender die Jahreszahl  1835 n. Chr. ergibt:

                                               jüdischer                                          gregorianischer

                                               Kalender                                           Kalender

Schöpfungsworte                       0 v.d.Z.                                              3760 v.d.Z.

Geburt Jesus                             3760                                                  0

                                               5000 n.d.Z.                                      1240 n.d.Z.

                                               5595 n.d.Z.                                       1835 n.d.Z.

Heute                                      5777 n.d.Z.                                        2017 n.d.Z.

v.d.z./n.d.Z. = vor bzw. nach der Zeitrechnung

Über das Land und die Menschen

Wolfgang Kellner berichtete als Vorsitzender der GCJZ und Mitglied der Reiseleitung der von der Gesellschaft organisierten und durchgeführten Israelreise im Frühjahr 2017, an der 26 Personen teilgenommen haben. Den Reiseteilnehmern und anwesenden Veranstaltungsgästen wurden von W. Kellner unter zur Hilfenahme von Videoclips und Bildern Menschen, Frömmigkeit und Topographie Israels anschaulich und eindrucksvoll präsentiert. Insbesondere die Reiseteilnehmer hatten große Freude daran, Begebenheiten und Situationen noch einmal gemeinsam nacherleben zu dürfen.

W. Kellner referierte von oft auch emotionalen Begegnungen mit Menschen, die durch ihre Vorfahren einen Bezug zur Stadt Leer haben. So traf die Reisegruppe sich unter anderem mit Max Grünberg, einem Verwandten des in Leer wohnenden Albert Weinberg sowie Gaby Sontheimer, verwandt mit dem in Leer wohnhaft gewesenen Uhrmacher Gans. Herr Sontheimer wird im Juni 2017 die Stadt Leer und dabei einige Reiseteilnehmer besuchen.

Nicht nur an der Kotel (Westwall bzw. Klagemauer), an den 14 Stationen der Via Dolorosa und exemplarisch am Felsendom wird die besondere Frömmigkeit der Stadt Jerusalem deutlich sichtbar, so dass das israelische Sprichwort: „In Jerusalem wird gebetet, in Haifa gearbeitet und in Tel Aviv gefeiert“ durchaus seine Berechtigung hat.

Weitere Stationen und Stichworte der Israelreise waren der See Genezareth, Jericho, die Golanhöhen, Kapernaum, das Drusengebiet, Tabgha, das Salzmeer oder Totes Meer, die Negevwüste, Masada sowie das Leben im Kibbutz.

Nachdenklich stimmten die Eindrücke und Informationen anlässlich des Besuches der Gedenkstätte der Märtyrer und Helden des Staates Israel im Holocaust,

 Yad Vashem, der bedeutendsten Gedenkstätte, die an die nationalsozialistische Judenvernichtung erinnert.

aufmerksame Zuhörerschaft

Das jüdische Weener

Frau Anny Kaufmann führte die Exkursionsteilnehmer zu den Orten des jüdischen Lebens in Weener. Ausgangspunkt war der Platz, an dem die Synagoge der jüdischen Gemeinde Weener gestanden hat, die nicht wie die anderen Synagogen am 09., sondern am 10.11.1938 vollständig nieder gebrannt wurde.

Eine 1990 von dem Leeraner Bildhauer Karl-Ludwig Böke geschaffene Menora steht als Denkmal am Zugang zum Synagogengrundstück.

Frau Anny Kaufmann und Herr Wolfgang Kellner an der Menora

In der Westerstraße 32 (bis 2009 Hindenburgstraße) ist eine Hinweis- und Gedenkplatte angebracht, die auf die ehemalige Synagoge hinweist.

Von der Westerstraße ging es zum Bahnhof Weener, auf dem von 1942 bis 1944 Deportationszüge aus Westerbork/Holland mit verhafteten Juden hielten. Dabei war 1944 auch Anne Frank.

In der Bahnhofstraße standen wir vor dem Gebäude der ehemaligen Puddingfabrik des jüdischen Mitbürgers Polak.

Letzter Punkt unserer Stadtführung war der jüdische Friedhof. Sonst eher unüblich, aber in Weener wurden 1943 von den Nazis fast alle Grabsteine geschliffen und vernichtet, was besonders grausam ist, denn es heißt, dass zerstörte Grabsteine zerstörte Seelen hinterlassen.

Weg zum jüdischen Friedhof

Studientagung des Deutschen Koordinierungsrates

Die diesjährige Studientagung des Deutschen Koordinierungsrates der Christlich-Jüdischen Gesellschaften in Deutschland fand vom 19. - 20.05.2017 im Gustav-Stresemann-Institut in Bonn Bad Godesberg statt. Die ostfriesische Gesellschaft wurde unter der Leitung unseres Vorsitzenden Wolfgang Kellner vertreten.

Inhaltlich wurde das Thema Antisemitismus in all diesen Facetten evaluiert, um die zerstörerischen Tendenzen dieser menschenverachtenden Ideologie offen zulegen.

Höhepunkte der Veranstaltung waren

- ein Workshop zum Thema „Einblicke und Perspektiven aus dem Handlungs- und Argumentationstraining gegen Rechts“

- eine Dialog-Bibelarbeit mit Rabbiner Prof. Dr. Andreas Nachama und Pfarrer Heinz Daume

- Vortrag „Erscheinungsformen des Antisemitismus in Deutschland heute“ von  Prof.Dr.Werner Bergmann, Zentrum für Antisemitismusforschung Berlin

- Vortrag Die Hartnäckigkeit der »Lehre der Verachtung«:
   Christlicher Antijudaismus und Antisemitismus als bleibende Herausforderung des christlich-jüdischen Dialogs v
on Prof.Dr. Christian Wiese, Martin-Buber-Professur Frankfurt am Main

Die zum Jahresthema 2018 „Angst überwinden – Brücken bauen“ vom Deutschen Koordinierungsrat herausgegebene Veröffentlichung kann hier angeklickt werden.

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"Und so wird es ihnen verhüllt bleiben, bis Mose sich zu Christus wendet"

Ein interessiertes Publikum im vollbesetzten Saal

Der Generalsekretär des Reformierten Bundes in der EKD und zugleich des Reformierten Bundes e.V., Herr Pfarrer Dr. Achim Detmers, hielt auf Einladung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit am 11.05.2017 im voll besetzten Gemeindesaal der Reformierten Kirche einen Vortrag zum Thema:

„Die Reformierten Reformatoren und ihr Verhältnis zum Judentum“

Wolfgang Kellner, Vorsitzenden der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, begrüßt den Referenten

Sach-und fachkompetent ging Herr Dr. Detmers in seinem Vortrag zur Veranschaulichung der Thematik auf folgende Personen der >reformierten< Reformer ein:

1.      Die Züricher Reformatoren Zwingli und Bullinger

2.     Die Straßburger Reformatoren Capito und Bucer

3.     Der Genfer Reformator Calvin

Dr. Detmers, der 2001 zum Thema „Reformation und Judentum: Israel – Lehren und Einstellungen zum Judentum von Luther bis zum frühen Calvin“ promoviert wurde, führte aus, dass auch unter den >reformierten< Reformern Antijudaismus durchaus vorhanden war. Wenn auch Capito noch einen freundlichen Umgang mit den Juden forderte, wurden vor allem von Bucer noch vor Luther massive antijüdische Maßnahmen verlangt.

Der Generalsekretär des Reformierten Bundes, Dr. Achim Detmers, bei seinem Vortrag

Vertiefende Informationen zu diesem Thema sind der Publikation „Reformierte Reformatoren und ihr Verhältnis zum Judentum“, herausgegeben vom Reformierten Bund, zu entnehmen. Sie kann unter http://www.reformierter-bund.de/226-15-57-41.html bezogen werden.

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I s r a e l f a h r t

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer unserer Israelfahrt sind gesund und voller Eindrücke wieder zu Hause angekommen.

Tel Aviv, Taibe, Haifa, Nazareth, See Genezareth, Kapernaum, Tabgha, Safed, die Golanhöhen, Jerusalem mit dem Ölberg, dem Garten Gethsemane, der Klagemauer, der Via Dolorosa und der Grabeskirche, der Berg Masada, das Totes Meer und die Gedenkstätte Yad Vashem haben ganz unterschiedliche Eindrücke und Gefühle hinterlassen. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmen waren vom Land und von den Menschen fasziniert, ob sie nun Israel das erste Mal oder bereits wiederholt besucht haben.

Zeitnah veröffentlichen wir an dieser Stelle einen  ausführlichen Reisebericht.

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Friesenschüler besuchen KZ-Gedenkstätte Esterwegen

 

Die Schüler und Schülerinnen der neunten Klassen der Friesenschule Leer haben am Donnerstag, den 30. März, das ehemalige Konzentrationslager im emsländischen Esterwegen besucht. Nach einem ausführlichen Vortrag über die Gedenkstätte durften die Jugendlichen das Außengelände selbständig erkunden. Den Schülern wurden neben Details zur architektonischen Planung der 2011 errichteten Gedenkstätte auch die unmenschlichen Lebensbedingungen der dort inhaftierten Gefangenen vermittelt. Zum Schluss besichtigten die Friesenschüler die Ausstellung des ehemaligen Konzentrationslagers, indem sich viele originale Gegenstände und sehr viel Hintergrundinformation zu einzelnen Gefangenen befinden. Die Jugendlichen bearbeiteten in Kleingruppen dazu je einen Fragebogen. Nach drei Stunden endete dann der eindrucksvolle Besuch.

Der Jahrgang 9 bedankt sich an dieser Stelle herzlich bei der "Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland e.V." und bei der "Stiftung niedersächsische Gedenkstätten", die zu gleichen Teilen die Fahrtkosten für diese Exkursion übernommen haben.

geschrieben von Julia Jandriċ, Klasse 9b

Impressionen

                 

         

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Mitgliederversammlung 2017

Die Satzung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland e.V. schreibt vor, dass alljährlich eine Mitgliederversammlung durchzuführen ist. Unter anderem ist der Versammlung ein Jahresbericht vorzulegen, der Vorstand zu entlasten und für die Dauer von zwei Jahren ein neuer Vorstand zu wählen.

Zahlreiche Mitglieder erschienen zu der Mitgliederversammlung 2017 am 28.Februar im Gemeindehaus der Reformierten Kirche.

Nachdem den im Berichtszeitraum (Jahr 2016) verstorbenen Mitgliedern Reinhilde Waterborg, Kurt Bickelmann und Carl-Heinz Focken durch das Vorstandsmitglied Uwe Wiarda mit Versen aus dem Psalm 139 gedacht wurde, stellte der Vorsitzende Wolfgang Kellner den Jahresbericht mit folgenden Schwerpunkten vor:

An der Anzahl der Pressemitteilungen, Pressegespräche, Presseartikel (auch in den Niederlanden) und den 12913 Zugriffen auf die eigene Internetseite ist abzulesen, dass die Arbeit der Gesellschaft mit einem bemerkenswert hohen öffentlichen Interesse verfolgt wird. Ursache hierfür sind offensichtlich auch neuerliche Rechtstendenzen. Daher war im Jahr 2016 die Jugendarbeit ein Hauptanliegen der Gesellschaft. So konnten Schüler und Schülerinnen der FcSO über ihren Austausch mit einer israelischen Schule berichten, der alljährliche Schalom-Chaver wurde in einem angemessenen Rahmen verliehen und Klassenfahrten zu den Gedenkstätten wurden bezuschusst. Die Schüler und Schülerinnen des TGG, die bei der Durchführung der Gedenkveranstaltung zum 09.November 2016 mitgewirkt haben, erhielten im Rahmen der Mitgliederversammlung Urkunden über Baumpflanzungen in der Negevwüste (Näheres hierzu in einem gesonderten Artikel).

Die insgesamt 18 durchgeführten Veranstaltungen waren sicher auch ein Grund für die positive Mitgliederentwicklung (Ende 2016 144 - aktuell 149).

Der ausführliche Tätigkeitsbericht ist auf dieser Homepage eingestellt.

Nach den Berichten des Schatzmeisters und der Revisoren wurde der Vorstand entlastet, so dass Neuwahlen durchzuführen waren.

Einstimmig wurden Wolfgang Kellner als Vorsitzender, Geschäftsführer Hermann Schröder und Schatzmeister Erich Ulferts wiedergewählt.

Ebenfalls einstimmig wiedergewählt wurden die weiteren Vorstandsmitglieder Alie Noorlag, Menna Hensmann, Frauke Maschmeyer-Pühl, Uwe Wiarda und Bruno Schachner. Insbesondere für Aufgaben der Internetbearbeitung wurde Paul Bonhagen neu in den Vorstand gewählt.  

Der neue Vorstand

 

 vordere Reihe von links nach rechts: Frauke Maschmeyer-Pühl, Wolfgang Kellner, Alie Noorlag

hintere Reihe von links nach rechts:  Erich Ulferts, Uwe Wiarda, Paul Bonhagen, Hermann Schröder, Bruno Schachtner

nicht auf dem Bild: Menna Hensmann

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Bäume sind Zeichen des Lebens

Bäume für ein grünes und blühendes Israel

 

 

von links nach rechts: Yasmin Ali, Simone Aden, Helmer Diddens, Wolfgang Kellner (Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit), Maria Herbst, Magdalena Mindrup, Lisa Sonnenberg, Frauke Maschmeyer-Pühl (Vorstandsmitglied der Gesellschaft), Claudia Lax (Lehrerin am TGG)

nicht auf dem Foto sind: Xenia Steffgen, Anna Tietjen, Antonia Benneneckenstein

Im Rahmen der jährlichen Mitgliederversammlung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland e. V. wurden

Nemo Janssen, Antonia Benneneckenstein, Xenia Steffgen, Simone Aden, Lisa Sonnenberg, Yasmin Ali, Magdalena Mindrup, Emma Barthel, Maria Herbst und Helmer Diddens

ganz besondere Urkunden übergeben.

Die Schülerinnen und Schüler hatten zum Andenken an die Pogromnacht des 09.11.1938 im Jahr 2016 anlässlich der Gedenkfeier in Leer die Namen der ermordeten ehemaligen Bürgerinnen und Bürger der Stadt verlesen.

Als Anerkennung dafür wurde für sie Bäume im Heiligen Land gepflanzt, die dort nun wachsen können. Die Bäume, jeweils dokumentiert durch die Urkunde, bilden damit eine bleibende Verbindung zwischen den ermordeten jüdischen Bürgerinnen und Bürger der Stadt Leer und den Schülerinnen und Schülern des TGG.

Das Vorstandsmitglied der Gesellschaft, Frau Maschmeyer-Pühl, führte dazu in ihrer Laudatio aus: 

„Brauchtum und Tradition haben im Judentum einen hohen Stellenwert.

So werden am Tu Bischwat Bäume gepflanzt und bei Gebeten und Liedern Früchte des Landes verzehrt, z. B. saftige Datteln aus der Arawa-Senke.

Sie sollen uns an die Süße Israels erinnern.

Wir wollen heute Abend Urkunden für  Baumspenden an Schülerinnen  und Schüler des TGGs verteilen, die in ihrer freien Zeit die Gestaltung der Gedenkfeier am 09.November auf dem Platz neben der Baptistenkirche mit übernommen haben, indem sie die Namen der in den KZs ermordeten ehemaligen Bürgerinnen und Bürger Leers verlesen haben.

Dafür gebührt euch unser besonderer Dank, die wir in Form der Baumspende ausdrücken wollen.

Weil der Staat Israel für einen Teil der ehemaligen Leeranerinnen und Leeraner zur lebensrettenden Zuflucht geworden ist, gibt es eine direkte Beziehung eures Baumes zu den Trägern der verlesenen Namen, die einst der jüdischen Gemeinde angehört haben.

Teile des Negev als Lebensraum für eine Million Menschen zu kultivieren, ist das herausragende Ziel des Jüdischen Nationalfonds Keren-Kayemeth LeIsrael.

Bei Lehavim nordöstlich von Beer Schewa wächst und gedeiht der ‘Wald der deutschen Länder’ und hier auch der Leer-Hain.

Die Idee zu dieser wunderbaren Aufforstungsaktion der Wüste Negev entstand nach der Wiedervereinigung Deutschlands.

Anfang der 90er Jahre erklärten sich die Ministerpräsidenten aller Bundesländer dazu bereit, dieses großartige Projekt der Völkerverständigung zwischen den Menschen in Deutschland und in Israel nach allen Kräften zu unterstützen.

Hierbei spielte Dr. Johannes Rau, damals noch Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, eine herausragende Rolle. Ihm als Schirmherrn des “Waldes der deutschen Länder“ sind die große Popularität und der Erfolg zu verdanken, die diese Aktion in ganz Deutschland erreicht hat.

Bis heute konnten Dank der Spenden mehr als 450.000 Bäume gepflanzt werden. Der Erfolg steht als Grüngürtel um die Stadt Beer Schewa, die Hauptstadt des Negev. Für die Menschen dieser stets wachsenden Wüstenstadt, in der von Mai bis September bis zu 40 Grad Celsius Hitze herrscht, ist der  Wald ein Segen.
Wo vorher nur Sand, Steine und ein wenig Gestrüpp das Bild prägten, steht heute ein üppiger, schattiger Wald aus Kiefern, Johannisbrotbäumen, Pistazien und vielen anderen Baumarten, mit Wanderwegen, Spiel- und Picknickplätzen.

Bäume sind Zeichen des Lebens!

Schalom und vielen Dank noch einmal für euer Engagement.“

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Vorbereitungstreffen der Israelreisegruppe

Am 24. März 2017 startet eine Reisegruppe der GCJZ zu einem zweiwöchigen Besuch des Staates Israel. Die 26 Teilnehmer aus Ostfriesland, dem Emsland und den Niederlanden trafen sich jetzt zu einem Informationsaustausch in der Ehemaligen Jüdischen Schule in Leer (sh. Foto). Mit dem Vorsitzenden der Gesellschaft, Wolfgang Kellner (stehend, 5. v. re.) und Frau Alie Noorlag (Vorstandsmitglied und Reiseleiterin, 1. v. re, sitzend) wurde noch einmal das interessante Programm besprochen. Die Gruppe will nicht nur u. a. die Städte Tel Aviv und Jerusalem, sondern auch soziale Einrichtungen und das Leben auf dem Lande und in einem Kibbuz kennen lernen.  Ein Höhepunkt wird die Begegnung mit ehemaligen jüdischen Mitbürgern aus Leer und deren Nachkommen sein.

Für einige Teilnehmer ist es der erste Besuch in Israel. Als Gesellschaft wollen wir neben der Erinnerung an das reiche jüdische Leben in Leer bis zur Shoah auch das moderne Israel in den Fokus nehmen, so Wolfgang Kellner, Vorsitzender der Gesellschaft.

 

 

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„Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die Verlassen sind“

 Voll besetzte St. Michael Kirche

„Der Gedenktag wurde am 3. Januar 1996 durch Proklamation des Bundespräsidenten Roman Herzog eingeführt und auf den 27. Januar festgelegt. Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des KZ Auschwitz-Birkenau, des größten Vernichtungslagers des Nazi-Regimes.

In seiner Proklamation führte Herzog aus:

»Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.«“[1]

 Unter dem Bibelspruch

„Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die Verlassen sind“

aus dem Buch der Sprüche Salomons, Kapitel 31, Vers 8, stand der Gedenkgottesdienst für politisch Verfolgte in der katholischen Kirche St. Michael in der Leeraner Altstadt.

In den Versen 31,1-9 mahnt und unterweist die Mutter König Lemuel, der uns nur hier begegnet und über den weiter nichts bekannt ist, mit diesen Worten.

Opfer und Verlassene durch die Tyrannei des Nationalsozialismus waren neben Jüdinnen und Juden z. B auch Homosexuelle, Sinti und Roma, Geistliche, Sozialdemokraten und auch Kommunisten.

In der sechzehnten Leeraner Gedenkveranstaltung wurden die Lebensbeschreibungen der örtlichen Kommunisten im Ganzen sowie exemplarisch als Opfer und Verlassene in Einzelgesprächen mit Frau Pastorin i. R. Christine Kimmich gewürdigt.

Der Bürgermeister a. D. und Vorsitzende der Christlich-Jüdischen Gesellschaft in Ostfriesland e. V. Wolfgang Kellner wies auf den Reichtagsbrand hin, der dem Niederländer Marinus van der Lubbe unbewiesen zur Last gelegt wurde. Die am 28. Februar 1933 einen Tag später erlassene „Reichstagsbrandverordnung“ gab den Auftakt auch zur Verfolgung von Kommunisten, von denen in der Folgezeit Zehntausende ermordet, hingerichtet oder inhaftiert wurden. Auch durch die enge Zusammenarbeit zwischen der NSDAP und den politischen Repräsentanten im Landkreis Leer wurden hiesige Kommunisten bedroht und verfolgt. Der damalige Landrat des Landkreises Leer, Hermann Conring, unterzeichnete Schutzbefehle und beantragte beim Regierungspräsidenten die Verhaftung und Überstellung von Kommunisten in Konzentrationslager (so z. B. in das KZ Börgermoor).

Frau Dr. Ute Voigts schilderte exemplarisch die Biographie eine Familie aus Leer-Loga, die auf Grund ihrer kommunistischen Einstellung auch durch die Nachbarschaft drangsaliert und ausgegrenzt sowie behördlicherseits verhaftet wurde.

Die Enkelin Frau Merle Flessner schilderte beeindruckend das Martyrium ihres Großvaters Klaas-Frerich Grensemann und seiner Familie.

Klaas-Frerich Grensemann war in der Weimarer Republik Mitglied der KPD, wurde nach mehreren Hausdurchsuchungen 1937 verhaftet und 1938 wegen Vorbereitung zum Hochvorrat zu drei Jahren Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Nach seiner Entlassung wurde er 1943 auf Grund eines Sonderbefehls zur Wehrmacht eingezogen und kam an die Ostfront. Seit 1944 galt er las vermisst; 1951 wurde er für Tod erklärt.

Im Vorwerkerweg 20 in Emden-Hilmarsum erinnert ein 2015 verlegter „Stolperstein“ an Klaas-Frerich Grensemann.

                            

Wolfgang Kellner, Dr. Ute Voigt und Merle Flessner jeweils im Gespräch mit Christine Kimmich

Dass der an König Lemuel gerichtete mütterliche Appell, den Mund für die Stummen, die sich nicht mehr wehren können, aufzumachen, auch heute noch aktuell ist und von jungen Menschen aufgenommen wird, stellten abschließend Anna Tietjen und Neele Fokken vom Teletta - Groß - Gymnasium Leer vor. Das von Schülerinnen und Schüler des TTG initiierte Projekt „Auf den Spuren unserer ehemaligen jüdischen Mitbewohner“ ist ein Wegbegleiter durch das „jüdische Leer“ und gibt in beispielhafter Weise den Opfern und Verfolgten eine Stimme.

Anna Tietjen und Neele Fokken
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[1] https://www.jewiki.net/wiki/Tag_des_Gedenkens_an_die_Opfer_des_Nationalsozialismus

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Aus der Geschichte nichts gelernt

Vorsitzender der GCJZ Wolfgang Kellner

„Aus der Geschichte nichts gelernt“ hieß der Vortrag von Bürgermeister a.D. Wolfgang Kellner vor den Mitgliedern der GCJZ. Wolfgang Kellner befasste sich damit, welchen Folgen die Machtübernahme durch die Nazis 1933 im Landkreis Leer hatte. Er stellte dar, dass sofort die Verfolgung Andersdenkender und sog. Volksschädlinge begann. Die lokalen Behördenleiter wirkten dabei mit. Nach seiner Auffassung waren Antisemitismus und Rassismus schon lange vor dem 1. Weltkrieg  im Bewusstsein vieler Leeraner vorhanden. Insbesondere schilderte er die Strukturen der Verfolgung und Überwachung am Beispiel der Inhaftierung sog. Arbeitsscheuer im KZ Buchenwald und der im Kreiskrankenhaus vorgenommenen Zwangssterilisationen. In der anschließenden Diskussion stellten auch mehrere Zuhörer heraus, dass die Erinnerung an diese schlimme Zeit auch für die aktuelle politische Diskussion notwendig und nützlich sei. 

Gut gefüllter Veranstaltungsraum

 

Ehrenbürgerrecht der Gemeinde Rhauderfehn für

Herrn Albrecht Weinberg

 

 

„Lass mich mit dem Holocaust in Ruhe. Das ist über 70 Jahre her und somit lange Vergangenheit, mit der ich unmittelbar nichts zu tun habe.“

Eine Denkweise, die in der Gesellschaft durchaus anzutreffen ist und der man so oder in ähnlicher Form immer wieder begegnen kann.  

Als der damalige Vorsitzende des Zentralrates der Juden, Ignatz Bubis, 1992 nach den blutigen Krawallen Rostock-Lichtenhagen besuchte, merkte ein lokaler CDU-Politiker an, dass Bubis hier nichts zu suchen habe, seine Heimat sei doch schließlich Israel[1].

Um so beeindruckender war es, als am 08. Januar 2017 mehr als einhundert geladene Gäste aus dem Rat, der Verwaltung und der Bürgerschaft der Gemeinde Rhauderfehn stehend applaudierten, als sich unser Mitglied der Gesellschaft für Christlich Jüdische Zusammenarbeit Herr Albrecht Weinberg sichtlich bewegt nach vorne begab, um die Ehrenbürgerurkunde aus den Händen des Bürgermeisters Geert Müller in Empfang zu nehmen.

 

 

  In seiner Laudatio skizzierte Herr Geert Müller das Leben von Albrecht Weinberg:

Albrecht Weinberg wurde 1925 als drittes Kind der jüdischen Familie am Untenende in Westrhauderfehn geboren. Sein Vater Alfred Weinberg betrieb hier einen Vieh-, Fell- und Schrotthandel. Die Familie führte hier ein geregeltes und geachtetes Leben.

Der 9. November 1938 war für die Familie Weinberg und auch für andere jüdische Familien ein einschneidendes Ereignis. Die Familie wurde auseinander gerissen. Albrechts Vater Alfred wurde in das KZ Sachsenhausen gebracht und kam erst im Februar 1939 nach Leer zurück. Sein Bruder Dieter kam noch im Dezember 1938 in eine Gartenbauschule in Ahlem, er selbst und seine Schwester Friedel kamen im Sommer 1939 in das Jugendlager nach Groß Breesen. Die Eltern blieben noch bis Februar 1940 in Leer; die Weinbergs gehörten zu den letzten Juden die Ostfriesland in Richtung Berlin verließen. Sie lebten dort mit anderen Familien in Berlin-Moabit in einem so genannten Judenhaus. Dieter Weinberg, der später auch nach Berlin gelangte, war im Februar 1943 das erste Familienmitglied, das nach Auschwitz deportiert wurde. Bei der so genannten Fabrikaktion wurde er direkt von der Arbeit abtransportiert. Eine Gelegenheit, sich von den Eltern zu verabschieden, hatte er nicht mehr. Im April 1943 kamen auch Friedel und Albrecht, die mittlerweile in einem Arbeitslager bei Berlin arbeiten mussten, ins Vernichtungslager. Alle drei Geschwister konnten das Martyrium überleben. Die Eltern Alfred und Flora Weinberg kamen im März 1943 zunächst nach Theresienstadt. Im Oktober 1944 wurden sie nach Auschwitz deportiert, wo sie vermutlich gleich nach ihrer Ankunft umgebracht wurden.

Albrecht und Friedel Weinberg sind im Frühjahr 2012 ins Seniorenheim an der Heisfelder Straße nach Leer gezogen. Friedel ist im Jahr 2012 verstorben. Albrecht Weinberg ist seit vielen Jahren regelmäßig als Zeitzeuge insbesondere in Rhauderfehner Schulen unterwegs und berichtet über seine Lebensgeschichte. Nach Schilderungen der Schulleitungen sind die Schülerinnen und Schüler stets ergriffen und arbeiten das Thema im Unterricht auf. Es macht einen deutlichen Unterschied, ob etwas im Buch gelesen, im Fernsehen gezeigt oder persönlich geschildert wird, so die Erfahrung der Pädagogen. Nicht selten sind die Schilderungen von Albrecht Weinberg so beeindruckend, dass Schülerinnen und Schüler einen unmittelbaren Impuls verspüren aktiv für Menschenwürde, Demokratie und Toleranz einzutreten, um damit Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Rassismus und Gewalt vorzubeugen. Die Vorträge von Albrecht Weinberg stellen einen großartigen Beitrag zur Entwicklung des Demokratieverständnisses bei jungen Menschen dar.

Albrecht Weinberg und seine Familie haben schier unendliches Leid erfahren. Trotz dieser Lebenserfahrungen hat Albrecht Weinberg den Menschen in Rhauderfehn die Hand zur Versöhnung gereicht und geht in einer bewundernswerten Art und Weise auf die Menschen zu. Er legt eine Herzlichkeit an den Tag, die beeindruckend ist. Die Begegnungen mit ihm regen zum nachhaltigen Denken über Werte und Menschlichkeit an und haben die Haltung von nicht wenigen Rhauderfehner Bürgerinnen und Bürger beeinflusst. Er hat sich selbst mit Peinigern seiner Kindheit an einen Tisch gesetzt und die Hand zur Versöhnung ausgestreckt. Durch diese persönliche Aussöhnung verbunden mit dem aktiven Eintreten vieler Menschen für Werte wie Menschenwürde und Toleranz hat Albrecht Weinberg in hohem Maße dazu beigetragen, dass sich die heutigen Verantwortlichen in Rat, Verwaltung, Kirche, Schulen und anderen Organisationen der Gesellschaft der düsteren Geschichte ihrer Heimatgemeinde gestellt haben. Albrecht Weinberg hat sich damit besonders um die Gemeinde Rhauderfehn verdient gemacht.“

                             

 

Die Ehrenbürgerrechtsverleihung war auch ein Anlass, zu versuchen, sich die Umstände konkret vor Augen zu führen:

Albrecht Weinberg wird 1925 geboren, ist also bei der Machtergreifung Hitlers im Januar 1933 ein sieben Jahre alter kleiner Junge, der nunmehr Ausgrenzungen, Pöbeleien und Bedrohungen ausgesetzt wird und sicher auch nicht ansatzweise begreifen kann, warum dem so ist.

Ebenso kennt der elfjährige Albrecht sicher nicht die Verfügung über die Rassentrennung, aber ihm wird sicherlich schmerzlich bewusst, dass er zunächst ohne Eltern seine Fehntjer Heimat verlassen und in eine Schule in Leer gehen muss.

Gerade mal 14 Jahre alt, muss er Ostfriesland verlassen und wird in Groß Beesen (südlich von Eisenhüttenstadt an der Oder) an einer jüdischen Ausbildungsstätte   untergebracht.

Das weitere Martyrium ist von Geert Müller dargestellt.

Für Herrn Albrecht Weinberg war die Ehrenbürgerrechtsverleihung sicher auch eine späte Genugtuung. Für uns ist es Mahnung und Auftrag, die Erinnerung lebendig zu erhalten. Dazu zählen auch Gedenkveranstaltungen und die wertvolle Arbeit, politische Umstände, Biographien und Schicksale zu erforschen und öffentlich zu machen, damit deutlich wird, dass wir sehr wohl etwas damit zu tun haben und das auch diejenigen zu unserer Gesellschaft gehören, die nicht an Jesus aus Nazaret glauben.

Herr Albrecht Weinberg

mit der Ehrenbürgerrechtsurkunde


[1] Jüdische Allgemeine Wochenzeitung vom 05.01.2016, Seite 11

 

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Schalom - Chaver - Preisverleihung 2016

Verlauf der Preisverleihung

Näheres hier

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Die Vergangenheit erinnern um die Zukunft zu gestalten - die Arbeit von Aktion Sühnezeichen-Friedensdienste

In vertrauter Umgebung in den Räumen der Ehemaligen Jüdischen Schule Leer gab die gebürtige Rheiderländerin und nunmehr Geschäftsführerin der international tätigen Organisation „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF)“ 

Frau Dr. Dagmar Pruin

mit ihrem Vortrag „Die Vergangenheit erinnern um die Zukunft zu gestalten“ einen Einblick in die Geschichte, Ziele, Entwicklungen und heutige Arbeitsweisen der Friedensmission.

Ein grundsätzlicher Ansatz der 1958 von Lothar Kreyssig als Verein gegründeten Organisation ist der Sühnegedanke, der insbesondere dadurch zum Ausdruck kommt, dass der Verein darum bittet, helfen zu dürfen.

180 Freiwilligendienstplätze werden derzeit in USA, Israel, Russland, Frankreich, Großbritannien, Niederlande, Belgien Norwegen Ukraine, Polen, Belarus, Tschechien und Deutschland als Friedensdienstplätze angeboten, bei denen vor allem mit Menschen und Organisationen zusammengearbeitet wird, die besonders unter dem Terror des Nationalsozialismus gelitten haben.

Im Rahmen von „Sommerlagern“ werden jüdische Gemeinden in Europa, soziale und politische Projekte unterstützt.

Drei weitere Themenschwerpunkte sind die Arbeit mit Menschen mit Migrationshintergrund einschließlich Flüchtlingen, Roma und Sinti, das deutsch-amerikanische Begegnungsprogramm „Close Up“ und die Arbeit gegen Rechtsextremismus.

Gewürdigt wurde die Friedensdienstarbeit im Oktober 2016 in Münster mit dem Internationalen Preis des Westfälischen Friedens, der durch Bundespräsident Joachim Gauck dem jordanischen König Abdullah II ibn Al Hussein und den jugendlichen Freiwilligen der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste für ihr herausragendes Engagement gegen Rassismus und Intoleranz verliehen wurde.

Dass eine Ostfriesin aus dem Rheiderland an exponierter Stelle einen weltweiten, engagierten Friedensdienst leistet, machte die Veranstaltungsteilnehmer an diesem Abend auch ein bisschen Stolz.

Dr. Dagmar Pruim und

Wolfgang Kellner

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Der Politikwissenschaftler, Publizist und Historiker

Dr. Matthias Küntzel referierte am 03.11.2016 im Rathaussaal Leer zum Thema 

„Antisemitismus in der muslimischen Welt – Ursachen und Folgen“

                                   
                   Dr. Matthias Küntzel                                       Vorsitzender Wolfgang Kellner und Dr. Matthias Küntzel

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Die Veranstaltung war in Kooperation des Lionsclub Leer und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland e.V. (GCJZ) organisiert worden.

Angriffsziel terroristischer Aktionen sind in Israel und weltweit Juden, weil sie Juden sind. Einer Studie zufolge sind 26 % der Weltbevölkerung antisemitisch eingestellt. Fundiert und anschaulich erläuterte Dr. Küntzel die Ursachen des Judenhasses aus religiösen, politischen und kulturellen Gründen und deren Folgen.

Die Texte von Dr. Matthias Küntzel sind umfangreich unter www.matthiaskuentzel.de im Internet veröffentlicht.

                                                                
Der President des Lionsclub Leer und Vorstandmitglied der GCJZ, Hermann Schröder, verabschiedet den Referenten

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Shoah Gedenkveranstaltung am 01.November 2016 in Winschoten

                                                          

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Die ersten Juden siedelten sich im 18. Jahrhundert in Winschoten an. Im 19. Jahrhundert wuchs der jüdische Bevölkerungsanteil stark an und bis zum zweiten Weltkrieg befand sich die zweitgrößte jüdische Gemeinde nach Amsterdam in Winschoten.

Unter dem Leitgedanken „Europa ohne Juden“ begannen die Deutschen 1941 systematisch, der jüdischen Bevölkerung im heutigen Bereich Oldambt einschließlich Winschoten ein menschenwürdiges Leben unmöglich zu machen. In der Folgezeit wurden fast alle jüdischen Bürger über das Durchgangslager Westerbork nach Ausschwitz, Sobibor und andere Vernichtungslager deportiert und größtenteils ermordet.

Seit mehreren Jahren erinnert ein Schweigemarsch durch Winschoten an das unbeschreibliche Verbrechen. Ausnahmslos waren auch Kinder, Frauen und ältere Menschen gezwungen, den Weg zum Bahnhof zu Fuß mit „leichtem Gepäck“ zu bewältigen.

Herr Louis Everts hatte als Veranstalter des Schweigemarsches die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland e. V. zum Mitgedenken eingeladen. Fast der gesamte Vorstand war der Einladung gefolgt und der Vorsitzende Wolfgang Kellner überbrachte in niederländischer Landessprache den zahlreichen Veranstaltungsteilnehmer einen Gedenkbeitrag. Anschließend legte er für die Gesellschaft ein Gesteck nieder.

Durch die Vorstandsmitglieder  Herrn Bruno Schachner (stellvertretender Bürgermeister der Stadt Leer) und  Frau Frauke Maschmeyer-Pühl (SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag Leer) wurde ein Gesteck der Stadt Leer niedergelegt.

 

Gedenkbeitrag des Vorsitzenden Wolfgang Kellner (niederländisch und deutsch):

Geachte Dames en Heren,

Ik bedank de Stichting Joods Verleden Winschoten voor de uitnodiging hier een paar woorden te mogen zeggen.

Zeer geëerde deelnemers aan deze herdenking,

Westerbork, Auschwitz, Sobibor,

zijn aanduidingen van kampen, die altijd in onze herinnering zullen blijven.

Ze staan voor het lot van de Nederlandse Joden. Meer dan honderdduizend van hen werden door de machthebbers van het nationaal- socialistische Duitsland vermoord.

De slachtoffers kwamen ook uit Winschoten en omgeving. Ze werden met veewagons via Leer naar de  vernietigingskampen getransporteerd.

Daarom staan we vandaag bij dit gedenkteken. We denken aan de onschuldige slachtoffers, vrouwen, mannen en kinderen, en hun families. Wij rouwen om hen. Maar we zijn ook vol woede en schaamte, dat mensen in naam van Duitsland deze misdaden begaan konden.

Ook daarom mogen wij niet toelaten, dat wat in de kampen gebeurde, vergeten wordt. De Engelse historicus David A. Hackett schreef in zijn Buchenwald- rapport:

Het enige wapen tegen het vergeten, dat we hebben, is het wapen van herinnering.

Dat is de reden waarom we hier staan. We hebben de verplichting, alles te doen om  te voorkomen dat zulke moorden weer gebeuren.

 

Dames en Heren,

dit is wat ik vanavond als voorzitter van de ‘Gesellschaft für Christlich – Jüdische Zusammenarbeit Ostfriesland’ u zeggen wilde.

Ik dank u voor uw aandacht.

 

Meine Damen und Herren,

 

ich bedanke mich bei der Stichting Joods Verleden Winschoten für die Einladung, heute einige Worte sprechen zu können.

 

Sehr geehrte Teilnehmer an dieser Gedenkveranstaltung,

 

Westerbork, Ausschwitz, Sobibor,

das sind Bezeichnungen von Lagern, die immer in unserem Gedächtnis bleiben werden.

Sie stehen für das Schicksal der niederländischen Juden. Über einhunderttausend von ihnen wurden von den Machthabern des nationalsozialistischen Deutschland ermordet.

Die Opfer kamen auch aus Winschoten und Umgebung. Sie wurden mit Viehwaggons

über Leer in die Vernichtungslager transportiert. Daher stehen wir heute hier an dieser Gedenkstätte. Wir denken an die unschuldigen Opfer, Frauen, Männer und Kinder, und ihre Familien. Wir trauern. Aber wir sind auch voller Zorn und Scham, dass Menschen im Namen Deutschlands dieses Verbrechen begehen konnten.

Auch deshalb dürfen wir nicht zulassen, das das, was in den Lagern geschah, vergessen wird. Der englische Historiker David A. Hackett schrieb in seinem Buchenwald-Report:

Die einzige Waffe gegen das Vergessen, die wir haben, ist die Waffe der Erinnerung.

Das ist der Grund, dass wir hier stehen. Wir haben die Verpflichtung, alles zu tun, dass sich dieses Morden nie wiederholen kann.

 

Meine Damen und Herren,

 

das ist das, was ich heute als Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische

Zusammenarbeit Ostfriesland Ihnen an diesem Abend sagen wollte.

 

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

 

Neue Pforte zum jüdischen Friedhof in Leer - Loga ist eingebaut

Das Gelände war ursprünglich im Besitz der Grafen von Wedel und wurde den jüdischen Familien von Leer-Loga überlassen. Wann der jüdische Friedhof angelegt wurde, ist unbekannt. Der älteste erhaltene Grabstein datiert auf das Jahr 1828, die erste Erwähnung auf 1860. Erhalten sind 13 Grabsteine.

Nunmehr wurde der Eingang wieder mit einer neuen Pforte hergerichtet.

          

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Stellungnahme zu dem OZ-Artikel „SS-Verbrecher wird von Mahntafel entfernt“ vom 24. August 2016

 

Die Aussage des Leiters des Ulrichs-Gymnasium, auch die Täter von einst sind „Opfer des Systems“  kann so nicht stehen bleiben. Die kollektive historische Lebenslüge der Deutschen, alle seien Opfer der „Nazis“ gewesen, könnte für die unmittelbare Nachkriegszeit noch durch das Trauma der militärischen Niederlage erklärbar sein. Dass dies 70 Jahre nach Kriegsende immer noch ein Schulleiter vertritt, ist nicht erklärbar und zugleich nicht Stand der historischen Forschung. Auch in einem „System“ gibt es unterschiedliche Grade von persönlicher Verantwortung und Schuld. Zur Frage der Schuld schrieb der Philosoph und Psychiater Karl Jaspers, der mit seiner jüdischen Frau der Deportation entkam, im Jahre 1946.“ Es ist ein Unterschied zwischen den Aktiven und den Passiven. Die politisch Handelnden und Ausführenden, die Leitenden und die Propagandisten sind schuldig... Der Historiker Ian Kershaw:„...der systematische Terror für den Aufbau der „Volksgemeinschaft“ - wurde seinerzeit toleriert, wenn nicht sogar begrüßt, später dann als „Exzesse“ allein des Regimes hingestellt.“ Zu einer solchen differenzierten Betrachtung sollte der Leiter eines Gynasiums fähig sein. Ich vermittle auf Wunsch ein Gespräch mit einem wahren Opfer des „Systems“, einem Überlebenden von Ausschwitz.

Wir erfahren glücklicherweise immer wieder, dass es Lehrpersonen gibt, die ihren Schülerinnen und Schülern durch den Besuch von Ausstellungen, Vorträgen und Gedenkstätten den Verstand schärfen für die persönliche Verantwortung des Einzelnen in einem „System“. Daher kann die Initiative eines pensionierten Oberstudienrates in Norden nur begrüßt werden.

 

Wolfgang Kellner

Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit

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Eingebunden in die Sonderausstellung „Verehrt - Verfolgt - Vergessen“ des FC Bayern München hielt Herr Prof. Dr. Lorenz Peiffer auf Einladung der Gesellschaft für christlich jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland e.V. am 11. August 2016 in den Räumen des Rudervereins Leer von 1903 einen Vortrag mit dem Titel:

 

Die „Blütezeit“ des jüdischen Fußballs im Schatten von Diskriminierung und Verfolgung in der NS-Zeit

 

Herr Wolfgang Kellner begrüßte als Vorsitzender der Gesellschaft die zahlreich anwesenden Gäste und verband die Sonderausstellung des FC Bayern München mit der Frage nach der allgemeinen Ausgrenzung jüdischer Sportlerinnen und Sportler vor und während des Nationalsozialismus. W. Kellner hob hervor, dass Herr Prof. Dr. Peiffer für seine Arbeit mit der Dr. Bernhard-Zimmermann-Medaille ausgezeichnet wurde, womit eine Brücke zu Ostfriesland besteht, denn der Sportwissenschaftler Bernhard Zimmermann wurde 1886 in Emden geboren, wurde von den Nationalsozialisten zu Amtsverzicht und Emigration gezwungen, da er nicht bereit war, sich von seiner jüdischen Frau zu trennen.

Bevor Herr Prof. Dr. Peiffer in seinem Vortrag insbesondere die Situation im Fußball- und Turnsport detailliert darstellte, distanzierte sich der Vorsitzende des Rudervereins Leer von 1903, Herr R. Canenbley, in seinem Grußwort eindeutig und nachhaltig im Namen des Vereins von Rassismus und Antisemitismus.

Die anschließenden Fragen an Herrn Prof. Dr. Peiffer wurden sach- und sachkompetent beantwortet.

                                               

                           Wolfgang Kellner                                                                                              R. Canenbley

                    Vorsitzender der GcjZ                                                                                  Vorsitzende des Rudervereins Leer von 1903

                                                                                      Sportwissenschaftler Prof. Dr. Peiffer

(v.l.) Herr Prof. Dr. Peiffer, Wolfgang Kellner, Dr. Paul Wessels (Leiter der Landschaftsbibliothek Aurich)  

Verehrt - Verfolgt - Vergessen

 

Die Wanderausstellung des Fußballclubs Bayern München in Kooperation mit der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau wurde am 02. August 2016 in Leer in den Räumen der Ehemaligen Jüdischen Schule vom Vorsitzenden der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland e.V., Wolfgang Kellner, eröffnet.

Die ca. 80 Anwesenden gingen mit Wolfgang Kellner in seiner Eröffnungsrede dem Leitspruch der Ausstellung nach:

„Wo sind sie geblieben? - in alle Welt zerstreut“

Mehrere Schulklassen und ein Fanclub haben sich bereits zur Führung durch die Ausstellung angemeldet und treten damit dem allgemeinen Trend entgegen, dass ein Schlussstrich unter die Gräueltaten der Nationalsozialisten zu ziehen ist.

 

                          

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"Luther und die Juden"

 

Abschluss der Sommerakademie mit Abt Hirschler in Leer

Der Abt des Klosters Loccum, der frühere Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, D. Horst Hirschler, beschloss die Sommerakademie der Lutherkirchengemeinde in Leer mit einem Vortrag zum Thema "Luther und die Juden". Dies sei ein Thema, das besonders jene tief erschüttere, die viel von Martin Luther halten. Der frühere Landesbischof stellte sich den Äußerungen Luthers in seiner direkten Art.

Hirschler nahm die Zuhörer mit auf eine einstündige Reise durch Luthers Leben und dessen bekannteste Schriften. Sich in Luthers Leben hineinzubegeben, sei nach wie vor faszinierend, sagte Hirschler.

Der Abt zeichnete zunächst das Bild des Reformators, der die Freiheit eines Christenmenschen als Folge des Gottvertrauens auf den gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus gelehrt habe. Luther bleibe mit seinen reformatorischen Texten der grundlegende Lehrer für die evangelische Kirche. Er habe sich ein Leben lang dafür eingesetzt, dass der Mensch seine Identität nicht in sich selbst und seinen guten Taten finde, sondern allein in dem Gottvertrauen auf Jesus Christus. In seinen Schriften habe Luther eine zupackende, manchmal auch grob konkrete Sprache, fasste der Referent die Bedeutung und Theologie Martin Luthers zusammen.

Mit den Juden seiner Zeit sei der Reformator zunächst überraschend freundlich umgegangen, in der Hoffnung, sie, besonders durch seine Auslegung des Alten Testaments, für den christlichen Glauben zu gewinnen. Seine Schrift "Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei" von 1523 habe auch die Juden positiv überrascht, so Hirschler. Luther betonte, Jesus sei ein geborener Jude gewesen, und forderte, die Berufsverbote und Ehehindernisse für Juden aufzuheben.

Luthers anfängliche Sympathie für die Juden wandelte sich in Grimm, so Hirschler, als er erkannte, dass die Juden nicht für den christlichen Glauben zu gewinnen waren. Zwanzig Jahre später schrieb Luther  "Von den Juden und ihren Lügen", 1543. Hirschler gab einen Einblick in diese Schrift:

"Luther stellte noch einmal die messianischen Weissagungen des Alten Testaments dar, äußerte sich böse über die jüdischen Verunglimpfungen des christlichen Glaubens und gab den Fürsten schlimme Ratschläge: Man solle ihre Synagogen verbrennen, ihre Schriften ebenfalls, den Rabbinern zu lehren verbieten, allen Juden den Schutz auf den Wegen verweigern und sie aus dem Lande vertreiben." Dazu sagte der frühere Landesbischof: "Auch wenn so etwas damals üblich war, sind wir über diese Äußerungen eines solch wichtigen Glaubenszeugen wie Luther zutiefst entsetzt." Dass es solche Fehlleistungen Luthers gäbe, tue einem als Freund Luthers weh. "Aber wer es auch für wahr hält, dass wir selbst allzumal Sünder sind, sollte sich über Luther nicht zu sehr wundern", so der Referent.

Hirschler wies darauf hin, dass er 1938 fünf Jahre alt war, als nebenan die Synagogen brannten. Mit sichtlich bewegter Stimme sprach der Bischof von seinen Besuchen der KZ-Gedenkstätten in Auschwitz, Birkenau und Bergen-Belsen. "Gerade uns Deutschen tun die Schriften Luthers gegen die Juden weh! Wir werden besonders wach, wenn Juden schlecht behandelt werden."

Die NS-Propagandisten hätten Luthers antijüdische Schriften genutzt und veröffentlicht. Allerdings hätten sie Luther grob verzeichnet und missverstanden. Nie habe er das Töten von Juden für akzeptabel gehalten.

Hirschler hat die 120 Zuhörer nicht geschont, sondern mit hineingenommen in die oft aggressive Sprache Luthers. Solch wütende Schriften habe der Reformator nicht nur gegen die Juden, sondern auch gegen den Papst, "Das Papsttum zu Rom vom Teufel gestiftet. 1545", die Bischöfe, die Obrigkeiten, die aufständischen Bauern, die Täufer und die Türken geschrieben.

Der Abt zu Loccum unterstützte, was der Kirchenhistoriker Johannes Wallmann jüngst feststellte: Die Evangelische Kirche verleugne ihre Geschichte, wenn sie nicht sage, dass diese späte Schrift Luthers gegen die Juden innerkirchlich bewusst unterdrückt worden sei. Die 1543er Schrift sei in fast allen Lutherausgaben nicht vorhanden. Sie findet sich nur im Gesamtwerk. Akzeptabel war kirchlich immer nur der frühe Text von 1523.

Hirschler sprach sich gegen die Annahme des Reformationshistorikers Thomas Kaufmann aus Göttingen aus, der Tod seiner 13-jährigen Tochter Margarethe, seine Krankheiten und vieles andere habe Luther altersdepressiv gemacht. Deshalb habe er so böse geschrieben. Es gäbe aus jener Zeit Schriften, Briefe und Tischreden, die völlig anders seien, hielt der Referent entgegen und zitierte daraus.

Pastor Christoph Herbold dankte dem Referenten im Namen der Kooperationspartner und des Schirmherrn der Sommerakademie, Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr. Herbold zeigte sich sichtlich erfreut, dass diese sechs Abende zur Vorbereitung auf das 500-jährige Reformationsjubiläum 2017 auf so viel Interesse gestoßen sind und dass gerade die Kombination von Vortrag und Gesprächsrunden so gut angenommen wurde.

Öffentlichkeitsarbeit Sprengel Ostfriesland-Ems (öso) Pressesprecherin Dr. Hannegreth Grundmann, Pastorin und PR-Referentin

Schulstraße 7, 26835 Holtland

Tel.: 04950 - 99 09 119

Fax:04950 - 99 09 127

mobil:0172 - 85 76 598

e-mail: Hannegreth.Grundmann@evlka.de

www.sprengel-ostfriesland-ems.de

 

Vertreter der Kooperationspartner und des Schirmherrn der Sommerakademie an der Lutherkirche in Leer freuten sich mit dem Referenten des letzten Abends, Abt zu Loccum, D. Horst Hirschler (2.v.li.), über den Erfolg dieser Vortragsreihe (von links nach rechts): Gerhard Robbe von der Evangelischen Erwachsenenbildung in Leer, Pastorin Dr. Hannegreth Grundmann aus Holtland, Pressesprecherin des Schirmherrn Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr, Wolfgang Kellner, Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland, Pastor Jan Lüken Schmidt von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Leer und Pastor Christoph Herbold von der Lutherkirche in Leer.

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Studienfahrt ins jüdische Hamburg

Am 05. Juni 2016 führte die Gesellschaft für Christlich - Jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland e.V. eine Studienfahrt ins jüdische Hamburg durch. 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer starteten in Leer und wurden in Hamburg durch weitere 10 Personen ergänzt. Unter Leitung des Vorsitzenden Wolfgang Kellner konnten vier zentrale Stationen des jüdischen Hamburg in Augenschein genommen werden:

Jüdischer Friedhof Altona

Erste Station war der jüdische Friedhof oder auch Portugiesenfriedhof in der Königsstraße in Hamburg Altona, wo zwischen 1611 und 1869 Bestattungen durchgeführt wurden. Die Friedhofseinteilung  in einen aschkenasischen (für deutsche Juden) und einem portugiesischen (für portugiesische Juden) Teil ist leicht daran zu erkennen, dass die Grabsteine im aschkenasischen Teil aufrecht stehen und im portugiesischen Teil liegend verlegt sind.

Unter fachkundiger Führung der Herren

Dr. Michael Studemund-Halévy (u. a. Mitarbeiter am Institut für die Geschichte der deutschen Juden und Lehrbeauftragter für Judenspanisch) 

und

Rien van der Vegt (evangelischer Vorsitzender der christlich-jüdischen Gesellschaft Hamburg e.V. mit einem zehnjährigem Aufenthalt und Wirken in Jerusalem)

wurden exemplarisch anhand ausgewählter Grabsteine die heutigen Forschungsmethoden und -möglichkeiten dargestellt. Zum Beispiel an den Gräbern des von 1729 bis 1732 in Emden tätigen Rabbiners Jacob Emden sowie der Stammmutter der Familie Mendelsohn, Frau Fromet Mendelsohn, geb. Gugenheim, (Nachfahren waren bedeutende Bankiers, Komponisten, Gelehrte und Industrielle) wurden Inhalte und Bedeutungen der Grabesinschriften erläutert.

Der Jüdische Friedhof Altona ist derzeit aussichtsreicher Kandidat als Weltkulturerbe der UNESCO.

Nähere Informationen sind unter

http://www.xn--jdischer-friedhof-altona-vsc.de/index.html

zu erhalten.

                    

Dr. Michael Studemund-Halévy bei seinem Vortrag

Grindelviertel

Zweite Station war das Grindelviertel im Stadtteil Hamburg-Rotherbaum.

Herr van der Vegt erklärte sachkundig die aktuellen und historischen Gegebenheiten in dem auch heute noch für viele Juden der Hansestadt zentralem Stadtviertel.

Am heutigen Joseph-Carlebach-Platz befand sich seit 1906 die Hauptsynagoge, die in der Reichspogromnacht 1938 verwüstet und 1939 abgerissen wurde. Mit der  Raumneugestaltung sind heute auf der Platzfläche der Grundriss und das Deckengewölbe der ehemaligen Synagoge erkennbar.

In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich die Joseph-Carlebach-Schule der jüdischen Gemeinde Hamburg. Sie wurde von 1805 bis 1942 als Talmud Tora Schule mit den Schwerpunktfächern Tora und Hebräisch betrieben. Ihr Rektor war seit 1921 der Rabbiner Joseph-Carlebach, nachdem heute der Platz benannt ist. 1939 wurde die Schule mit unserer nächsten Station, der Israelischen Töchterschule zusammengelegt.

Nähere Informationen zur heutigen Schule sind unter

http://www.jcsh.de/JCSBH/STS.html

zu erhalten.

 

Herr van der Vegt bei seinem Vortrag

Israelische Töchterschule

Nach einem Spaziergang durch das Grindelviertel gelangten wir zur dritten Station, der Israelischen Töchterschule in der Karolinenstraße, der letzten jüdischen Hamburger Schule während der Naziherrschaft.

Wir saßen auf den Schulbänken im erhaltenen naturwissenschaftlichen Klassenzimmer, wo uns die Leiterin der heutigen Gedenk- und Bildungsstätte, Frau Dr. Erika Hirsch, eindrucksvoll vor Augen führte, wie man sich bemühte, den Kindern einen begrenzten Raum und eine begrenzte Zeit normales Leben zu ermöglichen, bis 1942 alle jüdischen Schulen schließen mussten und der Unterricht für jüdische Kinder verboten wurde.

Ende der 1980er Jahre erfolgte die Einrichtung einer Gedenk- und Bildungsstätte. Der anschließende Rundgang durch die in acht Themenbereiche eingeteilte Dauerausstellung gab einen  Einblick in das ehemalige jüdische Schulleben der Hansestadt. 

Nähere Informationen zur Israelischen Töchterschule sind unter

http://www.dasjuedischehamburg.de/inhalt/gedenk-und-bildungsst%C3%A4tte-israelitische-t%C3%B6chterschule

zu erhalten.

                                

Spaziergang durch die Hamburger Neustadt

Die vierte und letzte Station unserer Exkursion war ein Teil der Hamburger Neustadt. Bei einem Spaziergang rund um den Großneumarkt bis zur Peterstraße vermittelte Frau Dr. Hirsch an Hand der räumlichen Gegebenheiten eindrucksvoll die soziale Situation und den Kampf um das tägliche Leben der in Hamburg ankommenden Juden. Zu den erbärmlichen Lebensumständen der Einwanderer kamen Diskriminierung und Schikanen hinzu. Jüdische Zuwanderung hat der Stadt Hamburg jedoch zu jeder Zeit einen Gewinn an Handel und Wandel, Bildung und Kunst beschert und somit zum Aufblühen der Stadt zu einer Weltstadt beigetragen.

Insgesamt hatte die Fahrt eine Fülle an Informationen, Eindrücken und persönlichen Empfindungen, aber auch Spaß und nette Gespräche untereinander zum Ergebnis. Das alles kann und soll dieser zusammenfassende Bericht nicht zum Ausdruck bringen.

Als die Studiengruppe gegen 21.00 Uhr Leer wieder erreichte, konnte Herr Kellner als Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich - Jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland e.V. als Wunsch und Fazit mitnehmen, dass auch in Zukunft solche Exkursionen gewünscht werden.

Bericht zum Besuch der Gedenkstätte KZ Esterwegen

 

Am Dienstag, den 24. Mai 2016, besuchten die Klassen 8a und 8b der Gutenbergschule Leer in Begleitung ihrer Klassenlehrkräfte die Gedenkstätte KZ Esterwegen.

Link zum Gruppenbild vor dem Eingang der Gedenkstätte

Die An- und Abreise erfolgte mit einem Bus-Unternehmen. Die Führung durch die Ausstellung begann um 11 Uhr. Der pensionierte Lehrer Herr Meyer gestaltete das Programm für uns. Nach der Begrüßung gingen wir in einen Schulungsraum. Herr Meyer berichtete den Schülerinnen und Schülern von der Geschichte der Emslandlager und verknüpfte seine Ausführungen mit geschichtlichem Hintergrundwissen.

Dies war erforderlich, da die Klassen das Thema im Geschichtsunterricht bisher noch nicht behandelt haben. Einige Kenntnisse besitzen die Jugendlichen aus den unterrichtlichen Vorbereitungen auf diese Fahrt und durch den Besuch der ehemaligen Jüdischen Schule in Leer.

Obwohl Herr Meyer eineinhalb Stunden referierte, Bilder und Filmaufnahmen zeigte sowie Tonbandaufnahmen einspielte, verfolgten die Schülerinnen und Schüler aufmerksam und konzentriert seinem Vortrag.

Nach einer kurzen Pause arbeiteten die Schülerinnen und Schüler in kleinen Gruppen in der Ausstellungshalle an Arbeitsbögen, die sich mit Einzelschicksalen beschäftigten. Auf diese Weise konnten sich die Jugendlichen konkret und beispielhaft mit den KZ-Insassen auseinandersetzen.

Anschließend besichtigten wir das Außengelänge der Gedenkstätte. Da die Gebäude und Einrichtungen des Lagers nicht erhalten geblieben sind, wurden sie abstrakt rekonstruiert: Die Baracken der Häftlinge werden durch Baumgruppen dargestellt, die Mauern werden durch Stahlwände abgebildet. Zumindest konnten einige Fundamente freigelegt werden. Herr Meyer erklärte den Schülerinnen und Schülern die Gliederung des Lagers sowie die Einrichtungen für die Häftlinge und die Wachmannschaften. Die Führung endete an den Gedenksteinen für Carl von Ossietzky und die übrigen KZ-Häftlinge.

Die Jugendlichen zeigten sich sehr beeindruckt von der Fahrt. Die Einzelschicksale der Häftlinge sowie die Größe der Lager insgesamt haben sie sehr bewegt. Die „reine Theorie“ über die Verbrechen der NS-Herrschaft sind eine Seite, die konkrete Anschauung und Personalisierung eine andere.

Am nächsten Tag sprachen wir über die Eindrücke von der Gedenkstätte, diskutierten über die Menschen der damaligen Zeit: über Täter und Opfer. Bereits in der ehemaligen Jüdischen Schule hatten sich die Schülerinnen und Schüler gefragt, wie solche Gräueltaten möglich gewesen waren und warum wir noch heute darüber sprechen müssen. Schnell stellten die Jugendlichen Parallelen her zur heutigen Ausgrenzung und Diskriminierung bestimmter Gruppen in der Bevölkerung, seien es die Flüchtlinge, Andersgläubige oder die Homosexuellen. Vorurteile und Intoleranzen beeinflussen auch heute unser Denken und Handeln.

Nach dem Besuch der ehemaligen Jüdischen Schule Leer und der Fahrt zur Gedenkstätte KZ Esterwegen werden wir Anfang Juni gemeinsam mit Frau Bracht (Ehemalige Jüdische Schule Leer) die Synagoge in Groningen besichtigen. Überdies planen wir eine Begegnung mit dem KZ-Überlebenden Herrn Weinberg (Rhauderfehn).

Der Besuch der Gedenkstätte KZ Esterwegen ist eine große Bereicherung für unsere Schülerinnen und Schüler und wir können uns nur sehr herzlich für die großzügige Unterstützung hinsichtlich der Übernahme der Fahrtkosten bedanken!

Leer, den 25. Mai 2016

(Silke-C. Koop)

 

 

„Sie hat uns an ihrem Leben teilhaben lassen“

 

„Eine starke Persönlichkeit! Es ist sicherlich nicht leicht, die eigene Familiengeschichte so intensiv zu erforschen, wenn die Hintergründe alte Wunden aufreißen. Ich finde es bewundernswert, wie engagiert sie in der Öffentlichkeit auftritt, um von ihrem Schicksal und das ihrer Eltern zu erzählen. Die Kraft, die sie dabei versprüht, ist unglaublich.“

Xenia Steffgen, Teilnehmerin der Arbeitsgemeinschaft „Auf den Spuren unserer ehemaligen jüdischen Mitbewohner“ am Teletta - Groß - Gymnasium ist immer noch beeindruckt. Sie traf Frau Yehudith Heymans-Gudema, als diese das TGG Mitte Mai besucht hat, um als einzige Überlebende ihrer Familie von den Grauen der Shoah zu berichten. Der Kontakt war über Frau Alie Noorlag von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit zustande gekommen. In ihrem eineinhalbstündigen Vortrag über die lange Suche nach der eigenen Identität zog die gebürtige Niederländerin jüdischer Herkunft alle Gäste in ihren Bann:

Yehudith Heymans-Gudema schilderte, wie nach der Annexion der Niederlande und den ersten Verfolgungsmaßnahmen gegenüber der jüdischen Bevölkerung ihren Eltern Jacob und Rebecca Gudema eine dunkle Vorahnung beschlich. Vater und Mutter glaubten, dass es alsbald keine Hoffnung für sie selbst gäbe. So versuchten sie, zumindest ihre Tochter vor den Nazi-Schergen zu retten. Dazu nahmen sie Kontakt zu einem Mitglied des niederländischen Widerstands namens Opdam auf und verabredeten, wie sie ihr Kleinkind in einem Hauseingang zu treuen Händen übergeben könnten. Die blonde Haarfarbe des kleinen Mädchens bot eine gute Tarnung. So wurde Yehudith im Dezember 1942 von Herrn Opdam fürsorglich aufgenommen und einer lieben Dame namens „Tante Nell“ in sorgsamer Obhut gegeben. Währenddessen waren die leiblichen Eltern gemeinsam mit dem einzigen Sohn Benjamin gezwungen worden, sich in das Durchgangslager Westerbork einzufinden. Drei Monate später, im März 1943, wurde die Familie nach Sobibor deportiert und dort unmittelbar nach der Ankunft ermordet. Nach dem Ende des Krieges begann für Yedudith, die aus Sicherheitsgründen weder ihren wahren Namen noch ihre Herkunft erfahren hatte, eine Odyssee durch mehrere Pflegefamilien.

Yehudith Heymans-Gudema band ihre jugendlichen Zuhörer immer wieder in ihre Geschichte ein:

„Was würdet ihr tun, wenn euch als Kind untersagt wird, den „verbotenen Schrank“ im Wohnzimmer zu öffnen?“ Antwort der Menge: Ihn doch öffnen (?) „Ja, natürlich!“ so die Erwiderung der Gastrednerin. Als Sechsjährige schloss das kleine Mädchen die verbotene Schublade in der Wohnung der Pflegeeltern auf. Sie entdeckte ein Dokument mit vier für sie unbekannten Namen und zwei Postkarten an jene unbekannten Namen adressiert. Just in diesem Augenblick erschien die Pflegemutter im Zimmer, zerriss die Postkarten vor den Augen des Kindes und blieb eine Erklärung zeitlang ihres Lebens schuldig. Heute weiß Frau Yehudith Heymans-Gudema: Jenes Dokument gab nicht nur Auskunft über die Namen der leiblichen Eltern und des Bruders, sondern auch über das ihre. Es sollten noch Jahrzehnte vergehen, bis Frau Heymans-Gudema die wahren Hintergründe erfuhr und die Zusammenhänge erkennen konnte.

Über die zentrale Datenbank der Gedenkstätte Yad Vashems mit den Namen der Holocaustopfer gelang es dem ehemaligen Widerstandskämpfer Jan Opdam mit der Unterstützung seines Nachbarn Peter Krans, Kontakt zu Yehudith Heymans-Gudema aufzunehmen. Sie hatte für ihre Familienangehörige jene digitalen Gedenkblätter ausgefüllt. Die Wiedersehensfreude war überwältigend. Für Frau Heymans-Gudema eröffnete sich eine neue Welt mit Fotos von der Mutter und dem Vater, Erzählungen über ihre Familie und Gewissheit über das Schicksal ihres unmittelbaren Angehörigen. Um ihrer Familie zu ehren, ist Frau Heymans-Gudema nach Sobibor gereist und hat einen Gedenkstein mit den Namen der Ermordeten errichten lassen. Dahinter pflanzte sie eine Kiefer zum Zeichen, dass sie und der Familienname überlebt haben: ihr Sohn heißt Oren, auf Hebräisch „Pinie“. Der Baum mit großer Symbolkraft wächst und gedeiht.

Heute wisse sie, wer sie sei. Seit den 60er Jahren lebt sie in ihrer Wahlheimat Israel, hat zwei Kinder und fünf Enkelkinder. Sie arbeitet als Kunsttherapeutin, die Suchtkranke sowie Demenz-Erkrankte unterstützt. Xenia Steffgen nach dem Besuch des charismatischen Gastes:

„Nach diesem Vortrag habe ich für mich ein Fazit gezogen. Man sollte nicht blind durchs Leben gehen, sondern immer neugierig sein. Außerdem sollte man für sich selbst wissen, wer man ist und wo seine Wurzeln sind, denn sie können einem Stärke verleihen.“

               
                                                                                           

Bericht einer Israelreise

In einer Mitgliederversammlung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit berichteten zwölf Schülerinnen und Schüler der FCSO Moormerland über den diesjährigen Jugend-Austausch mit Israel.

Eindrucksvoll schilderten die Jugendlichen ihre persönliche Erfahrungen und Empfindungen in der Begegnung mit jungen Israelis sowohl in ihren Familien hier als auch den Gastfamilien in Israel. Die Vorträge wurden ergänzt durch Fotos und selbstgestaltete Videos. Anschließend stellten sich die Schülerinnen und Schüler den Fragen des Publikums. Dabei betonten sie, für ihre persönliche Entwicklung von diesem Austausch profitiert zu haben. Mit ihren Liedvorträgen unter Gitarrenbegleitung überraschten sie die Zuhörer. Der 1. Vorsitzende, Wolfgang Kellner, bedankte sich bei den jungen Leuten und ihren Lehrerinnen, den Frauen Aeilts und Hinrichs, für den unvergesslichen Abend.

 

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König Willem-Alexander der Niederlande beruft Vorstandsmitglied in den Orden von Oranje-Nassau

 

Aaltje (Ali) Noorlag aus Stadskanaal (Gemeinde Vlagtwedde) wurde von König Willem-Alexander der Niederlande in den Orden von Oranje-Nassau berufen. Damit wurde ihre langjährige ehrenamtliche Arbeit gewürdigt. Neben vielen anderen Themen kümmert sie sich um die Erinnerung an die jüdischen Opfer in den Niederlanden während der deutschen Besatzungszeit. Weiterhin tritt sie aktiv für den Austausch mit dem heutigen Israel ein. Seit zwei Jahren ist die Niederländerin auch Vorstandsmitglied in der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Ostfriesland mit Sitz in Leer.

 

Wie in den Niederlanden üblich werden die künftigen Ritter des Ordens unter einem Vorwand in das jeweilige Rathaus gelockt, wo der Bürgermeister, Verwandte und Freunde warten. So auch in diesem Fall. Am Sitz der Gemeinde Vlagtwedde in Sellingen überreichte die Bürgermeisterin Leontien Kompier der verdutzten Alie Noorlag die Urkunde mit dem Orden. Eingeladen war auch der Vorsitzende der GCJZ, Wolfgang Kellner, der als einer der ersten gratulierte. Wir sind stolz darauf, ein Mitglied des Ordens von Oranje-Nassau in unseren Reihen zu wissen, so Wolfgang Kellner.

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